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Full text of "Heinrich von Brunn: Gedächtnissrede gehalten in der öffentlichen Sitzung der K.b. Akademie der ..."

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HEINRICH VON BRUNN 



Q-edächtnissrede 



gehalten in der 



öflfentlichen Sitzung der k. b. Akademie der Wissenschaften 

zu München 

zur Feier ihres 136. Stiftungstages 

am 28. März 1895 



von 



Adam Flasch 

corresp. Mitglied der philosophisch- pbilologischeo Glasse. 



München 1902. 

Verlag der k. b. Akademie 
in Commission den G. Franz*8chen Verlags (J. Roth). 



t ■• 



fittfvard Gollege Uo. .. " 
G'rftof 
James Loebi 
. May 7, ^J09 



Die Rede wird hier aus dem Nachlasse des am 11. Januar 1902 verstorbenen Ver- 
fassers herausgegeben. Er hat sie unvollendet hinterlassen. Fertig ausgearbeitet war nur 
der erste Abschnitt, der den Lebensabriss enthält, sowie der Schluss; alle übrigen Theile 
liegen in mehr oder weniger unfertigem Zustande vor; selbst über die von dem Verfasser 
beabsichtigte Reihenfolge derselben fehlen sichere Angaben. Auch wo ein zusammen- 
hängender Text vorhanden ist, sind grosse Theile desselben durchgestrichen und sind zahl- 
reiche Veränderungen und Bemerkungen am Rande eingetragen, welche zeigen, dass der 
Verfasser eine völlige Umarbeitung beabsichtigte. Vieles aber ist nur im ersten Entwürfe 
auf losen Zetteln angedeutet, die zu späterer Verarbeitung bestimmt waren. Es wird hier 
alles das dem Drucke übergeben, was nach diesen Umständen zu geben möglich war. In 
den allzu unfertigen und deshalb nicht publizirten Theilen hat der Verfasser namentlich 
eine eingehendere Würdigung der einzelnen Schriften Brunns und eine genauere Charakteri- 
sinmg seiner Forschungsart versucht. » 

Im Auftrage der philosophisch-philologischen Classe 
Im März 1902 A. Fnrtwängrler. 



;"i^ ' 






£i8 ist das Bild eines allseits herrlichen Mannes, des Archäo- 
logen Heinrich Brunn, welches der weihevolle Brauch der Akademie, 
das Gedächtniss ihrer hervorragenden Mitglieder durch eine Rede zu 
ehren, uns heute zu betrachten Anlass bietet. 

Als der Ruf, das Wort zu führen, an mich erging, einen Schüler 
und, wie ich mit Stolz hinzusetze, Freund des Verewigten, da zögerte 
ich wohl, mich fragend, ob ich die zugedachte ehrenvolle Aufgabe 
denn auch würdig eines solchen Mannes zu lösen geeigenschaftet 
sei, doch Zaudern und Bedenken wichen vor der Macht des Dank- 
gefühls und der Liebe zu dem Meister, der meinem Leben Zier 
und Freude war. 

Wir feiern hier das Gedächtnist des Akademikers. Das wissen- 
schaftliche Wirken Brunns zu betrachten, liegt mir daher vornehmlich 
ob. Doch Persönlichkeit und That, äusserer Lebensgang und innere 
Entwicklung sind nie zu trennen, und bei Brunn zumal waren wissen- 
schaftliche Richtung, Arbeit und Einflüsse so eng bedingt durch den 
Lebensweg und den gesammten Charakter des Mannes, dass auch diesen 
ausführlicher zu schildern geboten erscheint. 

Heinrich Brunn war geboren am 23. Januar 1822 zu Wörlitz 
in Anhalt- Dessau, wo sein Vater, gleichfalls Heinrich, seit 1818 als 
Titularpropst das Amt eines Pfarrers bekleidete. Auch schon der 
Grossvater und ürgrossvater väterlicherseits waren Prediger und 
im Anhaltinischen ansässig gewesen. Die Mutter, Amalie Albertine, 
war eine Tochter des Dessauischen Domänenpächters Lindstadt, und 
dessen Vorfahren lassen sich bis in die Zeiten des „alten Dessauers", 
Fürsten Leopold, als Landwirthe verfolgen. 



Heinrich war das dritte Kind seiner Eltern, der erste Sohn. 
An zwei nur wenig älteren Schwestern fand er Gespielinnen; ein sieben 
Jahre jüngerer Bruder, welcher erwachsen, der juristischen Lauf- 
bahn sich zuwendete, schloss den Familienkreis. Es war ein guter 
Geist, der in dem Brunn'schen Elternhause herrschte, der Ordnung 
und Thätigkeit, aber zugleich des Frohsinnes. Die Mutter, eine 
kluge und lebhafte, wirthschaftliche Frau setzte ihren ganzen Stolz 
in die Führung ihres Haushalts, wobei sie eine Stütze nie begehrte. 
Der Propst, ein Geistlicher alten Schlags, der auch mit Anders- 
gläubigen sich wohl vertrug und den schönsten Preis des Christen- 
thums in dessen ethischer Kraft sah, hielt strenge Zucht und leitete, 
selber ein Muster gewissenhafter Pflichterfüllung und nebenher auch 
um die eigene Fortbildung bemüht, namentlich Heinrich sehr früh 
zu ernster Arbeit und regelmässiger Lebensführung an. Aber im 
Grunde seines Herzens ein guter und wahrhaft humaner Mensch, 
wollte er seine Kinder nicht düster und muckerisch machen, sondern 
gönnt« ihnen auch frohe Stunden und beschnitt ihnen in keinerlei 
Weise die freie Entfaltung ihres besonderen Wesens. Ein Freund 
geselligen Lebens hatte er einen grossen Kreis von Bekannten, die 
er gerne auch in seinem eigenen Hause sah. So verging namentlich 
im Sommer selten eine Woche, in der nicht Gäste aus Dessau oder 
der sonstigen Nachbarschaft sich einstellten, in der grünen Idylle 
des dem Pfarrhause anstossenden herzoglichen Parks sich zu ergehen 
und mit den Brunn'schen ein Paar heitere Stunden zu verbringen. 
Eines Imbisses war man bei dem allerdings haushälterischen, aber 
von Herzen gastfreundlichen Pfarrherrn immer gewiss, und fanden 
sich einmal der Freunde mehr zusammen, so wurde wohl auch die 
eine und andere Flasche Weins aus dem Keller hervorgeholt, die 
Stimmung zu beleben. Ich erwähne dies, weil daraus ersichtlich, 
wie tief jener Zug zu harmlos heiterem Lebensgenuss, der neben 
der Arbeitsamkeit auch dem Archäologen Brunn eigen war, wurzelte 
und schon im Elternhaus Nahrung empfing. Denn dass bei Gelegen- 
heit solcher Besuche und bei anderen Anlässen zu gerechter Freude 



die Kinder nicht ausgeschlossen waren aus dem Verein der Erwach- 
senen, verstand sich bei dem Brunn'schen Ehepaare und in der 
bürgerlich gehaltenen Pfarrre von selbst. 

Seinen ersten Unterricht empfing Heinrich in der Volksschule 
seiner Heimath. Ergänzend trat der häusliche Unterricht des Vaters 
hinzu, der den Knaben auch für das Gymnasium vorbereitete. Ein 
Hülfsprediger Werner unterwies ihn in den Anfangsgründen des 
Griechischen. 

Dreizehn Jahre alt verliess der Junge das Elternhaus und trat 
in das Gymnasium zu Zerbst ein, mit dem eine Pensionsanstalt 
(Francisceum) verbunden war. Ausser dem Direktor H. Ritter waren 
hier der treffliche Philologe K. Sintenis, am bekanntesten wohl als 
Herausgeber des Vitae des Plutarch, und K. Werner, ein Bruder des 
Wörlitzer Hülfspredigers, seine Hauptlehrer. Von Sintenis und Werner 
sprach Brunn auch in seinen hohen Jahren noch oft und mit grosser 
Wärme: sie hätten ihn dereinst wie einen Sohn gehalten. Schon 
nach viereinhalb Jahren konnte er mit dem Zeugniss der Reife für 
die Universität die Anstalt wieder verlassen. In dem sehr ausführ- 
lichen Schriftwerk heisst es U.A.: „Bei der Kindlichkeit seines Ge- 
müths, der Rechtschaffenheit seiner Gesinnung und der Unbescholten- 
heit seiner ganzen Aufführung hat derselbe seinen Lehrern nie 
Kummer und Verdruss, sondern nur Freude bereitet"; und unter den 
Leistungen im Deutschen werden „natürliche Leichtigkeit, eigenes 
Urtheil bei der Behandlung eines Stoffes, Klarheit und Verständig- 
keit** gerühmt. 

Im Herbst 1839 bezog der Abiturient mit der Absicht, Philo- 
logie zu studieren, die Universität Bonn. Bonn war vornehmlich 
auf Anrathen Sintenis' gewählt worden. Und zu gutem Glücke. 
Dort fand der Jüngling in Fr. G. W^elcker und in dem jugendlich 
feuerigen Fr. Ritschi die Männer, die wie keine anderen geeignet 
waren, seinen Anlagen imd Neigungen den richtigen Weg zu weisen. 
Warm empfohlen von Sintenis an den ihm befreundeten Ritschi, 
schloss er sich an diesen und Welcker alsbald als seine Führer an. 



versäumte nicht bloss keine ihrer Vorlesungen, sondern betheiligte 
sich auch eifrig an den Arbeiten des von ihnen geleiteten philo- 
logischen Seminars, dessen Senior er später wurde, und erfreute sich 
dafür auch ihrer besonderen, privaten Förderung, namentlich von 
Seiten des an Jahren ihm näher stehenden und jugendliebenden 
Ritschi. Und so verschieden an Charakter und wissenschaftlicher 
Art diese beiden Führer waren, so scheinen sie den jungen Brunn 
doch mit fast gleicher Kraft angezogen zu haben: der reiche po- 
etisch-künstlerische Geist Welckers, wie die kritische Besonnenheit 
und der realistische Sinn Ritschis. Denn Welckers Fach ist es, 
dem er sich alsbald speziell zuwendete, die Ritschl'sche Art wissen- 
schaftlicher Untersuchung, welche schon seine erste Arbeit kenn- 
zeichnet. 

Aus dem weiten Gebiet der Alterthums Wissenschaft erkor sich 
Brunn schon als Student Archäologie oder, wie er selbst in der 
Vorrede zu seiner Dissertation sich ausdrückt, Geschichte der 
antiken Kunst als besonderes Arbeitsfeld. Gewiss wirkten bei dieser 
Wahl die Arbeiten und Vorlesungen des kunsterfüllten Welcker be- 
stimmend ein, aber einen nicht minder starken Impuls trug der 
Jüngling in sich selbst. Schon früh waren künstlerische Neigungen 
in ihm erwacht, hatte er, angeregt wohl auch durch die Eindrücke 
der Stätte seiner Jugend, des Wörlitzer Parks mit seinen prächtigen 
Baumgruppen, grünen Halden, glitzernden Wassern, leuchtenden 
Tempelchen und dem Pantheon, wo Herzog Franz seine zum Theil 
noch unter Winckelmanns Vermittlung erworbenen Antiken ver- 
einigt hatte, zum Zeichenstift gegriffen. Ein Freund des Vaters, 
der Kunstliebhaber und treffliche Zeichner Krüger in Dessau, unter- 
richtete ihn. In Zerbst waren diese Bestrebungen fortgesetzt und 
auch schon Versuche gemacht worden, in Oel zu malen. Eine Notiz 
des Maturitätszeugnisses lautet: „Daneben beschäftigte er sich sehr 
fleissig mit dem Zeichnen und Malen, ohne jedoch seinen Schul- 
arbeiten dadurch wesentlichen Abbruch zu thun." In Bonn wendete 
er sich dann vornehmlich der Landschaft zu, malte viel nach der 



Natur und nahm seiner Eunststudien halber sogar einmal Ferien- 
aufenthalt in Düsseldorf. 

Die Beziehungen zu Welcker und Ritschi spannen sich, dem 
Jüngeren ein heilsames Band, in Brunns weiteres Leben hinein, 
entwickelten sich, bestärkt auch gegenüber Welcker, der während 
Brunns Studienzeit wiederholt von Bonn abwesend gewesen, ge- 
legentlich eines späteren römischen Aufenthalts, zu Freundschaften 
für das Leben, die auch für die Wissenschaft nicht ohne Früchte 
geblieben sind. 

Ausser bei Welcker und Ritschi hörte Brunn noch bei dem 
Historiker J. W. Löbell, den Philosophen Chr. A. Brandis und Imm. 
Herm. Fichte, dem Philologen und Archäologen K. L. Urlichs, der, 
während Brunn noch studirte, von Rom zurückgekehrt, in Bonn als 
Privatdozent sich niedergelassen hatte. Im übrigen erscheint noch 
beachtenswerth, wie früh Brunn gelernt hat, seine Zeit so zu nützen, 
dass er das Nothwendige und Erspriessliche that und das Angenehme 
nicht unterliess. Er war nicht bloss ein strebsamer, auch ein lebens- 
froher Student. Aktiv in dem Corps Palatia, betheiligte er sich, 
und zwar keineswegs mit Zurückhaltung an dem Verbind ungsleben 
desselben und unternahm insbesondere mit den Freunden auch 
Wanderungen in die nähere und weitere Umgebung der rheinischen 
Musenstadt, worin sein für die Natur stets offener Sinn besondere 
Befriedigung fand. Treu in allem, wie er war, hat er auch als 
„alter Herr" dem Bunde seiner Jugend sich anhänglich erwiesen 
und oft Gelegenheit genommen, sein dauerndes Interesse an dessen 
Fortbestand und Gedeihen kund zu thun. 

Am 20. März 1843 fanden die Universitätsstudien ihren äusseren 
Abschluss in der Doktorpromotion. — Die Inaugural - Dissertation : 
„Artificum liberae Graeciae tempora" enthält eine Reihe schwie- 
riger, mit Klarheit und in Anbetracht des jugendlichen Alters des 
Autors überraschender kritischer Umsicht geführter Untersuchungen 
zur Chronologie namhafter griechischer Künstler der Zeit vor 
Alexander. 



Das nächste Ziel des neugebackenen Doktors war eine italieni- 
sche Reise. Namentlich Ritschi hatte ihn auf die Förderung, die 
seine Studien zu Rom, abgesehen von der Fülle der dort schönsten 
Monumente, durch das dortige archäologische Institut finden würden, 
eindringlichst hingewiesen. Mit Empfehlungen wohl ausgestattet, 
machte sich Brunn noch im Laufe seines Promotionsjahres auf den 
Weg, der ihn über München, Salzburg, Triest, wo er das Grab 
Winckelmanns besuchte, Venedig, Padua, Vicenza, Verona, Bologna, 
Florenz führte. München, Venedig, Florenz wurden eingehender 
besehen. 

„ Dirigirender Sekretär" des Archäologischen Instituts war Emil 
Braun, mit Ritschi eng befreundet. Ihm hatte dieser seinen Zögling 
besonders warm ans Herz gelegt, und Braun nahm sich desselben 
auch opferwillig an, führte ihn in die Denkmälerwelt der Stadt 
ein und liess ihm auch sonst seine Vertrautheit mit den römischen 
Verhältnissen zu Gute kommen. Ein etwas unstäter und auch philo- 
logisch nicht eben tief geschulter, aber reich begabter Kopf, besass 
Emil Braun eine Eigenschaft, die ihren Eindruck auf den jungen 
Brunn nicht verfehlen konnte: Liebe und Verständniss für die for- 
male Seite der Denkmäler. In der That hat dieser selber später 
wiederholt bekannt, dass er in dieser Richtung durch die allseits 
gerühmten Periegesen Brauns und auch den persönlichen Umgang 
mit ihm grösste Förderung empfangen habe. Wie hoch man aber 
auch das Maass des Braun'schen Einflusses anschlagen mag, ent- 
scheidender für die wissenschaftlichen Ziele Brunns ist doch die 
Thatsache geworden, dass er, statt nach ein Paar Semestern heim- 
zukehren und sich etwa zu habilitiren, zehn volle Jahre (1843 — 1853) 
in Rom verblieben ist. So hatte er inmitten einer Masse von Kunst- 
werken, wie sie keine andere Stätte bietet. Müsse und Gelegenheit, 
immer tiefer einzudringen in das Verständniss des Charakters und 
der Ausdrucksformen nicht nur der Antike, der Kunst überhaupt, 
gewann er früh auch den Muth, was in die Werke „hineingeheim- 
nisst" schien, litterarisch oder in Periegesen, wie er sie gleich Braun 



oder an Stelle desselben binnen Kur74em selber unternahm, zu ver- 
suchen, aus den Werken wieder herauszuklären ; lebte er überhaupt 
in einer geistigen Atmosphäre, wie sie für die Ausreife seiner natür- 
lichen Gaben und Neigungen nicht günstiger gedacht werden konnte. 
Der rege und engere Verkehr mit älteren und jüngeren Gelehrten, 
die eben damals häufiger auf dem Kapitol vorzusprechen und nicht 
selten länger in Rom zu studiren begannen, hielt ihn im Zusammen- 
hang mit dem Betrieb und den Strömungen der Alterthumswissen- 
schaft; die Bekanntschaft andrerseits mit gebildeten Künstlern und 
routinirten Kunstfreunden bekräftigte ihn immer wieder in der 
Einsicht, dass auch die tüchtigsten philologischen Kenntnisse noch 
keinen Kunstverständigen und Kunsthistoriker machen. 

In der Zuversicht und Methodik, mit der er weiterhin den 
Kunstwerken analytisch zu Leibe zu rücken pflegte, finden wir ihn 
bereits fertig in dem vielbeachteten Vortrag über die „Hera Farnese" 
(Bull. d. Inst., 1846). Neben dieser kunstmythologischen Erstlings- 
arbeit, in welcher von dem 24 jährigen Forscher allerdings weniger 
das polykletische Ideal der Hera, als die Formanschauungen und 
der Geist der grossen Zeit des V. Jahrh. v. Chr. schärfer als je zu- 
vor aufgezeigt wurden, läuft, gekennzeichnet nicht minder durch 
Feinheit der Beobachtungen und ein Drängen darnach, Inhalt und 
Form der Dinge als ein Einheitliches zu erfassen, eine Reihe von 
Aufsätzen und Artikeln über Denkmäler der mannigfachsten Art, 
veröffentlicht zumeist in den Schriften des Instituts, auch eine Ab- 
handlung, Welcker'schen verwandt: „lieber den Parallelismus in der 
Komposition altgriechischer Bildwerke" (Rh. Mus. N. F. V, 1847). 
Epochemachend aber wurde die Hauptarbeit dieser Frühperiode, 
der erste Band einer „Geschichte der griechischen Künstler", ent- 
haltend die Bildhauer (1853). 

Eine amtliche Stellung zu dem Institut hatte Brunn während 
dieser Zeit nicht. Die Hoffnung, demselben irgendwie fest verbunden 
werden zu können, erwies sich als trügerisch. Mit Glücksgütem 
von Hause aus nicht gesegnet, musste er sich seinen Unterhalt 

2 



10 

grösstentheils selbst erwerben; Hülfsarbeiten für andere Gelehrte, 
Leistungen für die Sache des Instituts, Führungen durch die Museen, 
Schriftstellerei , in dem politisch bewegten Jahre 1849 sogar Kor- 
respondenzen an die Augsburger Allgemeine Zeitung hielten ihn 
über Wasser. 

1853 durchstreifte er noch Unteritalien, Material sammelnd 
und revidirend für den von Ritschi geplanten Thesaurus römischer 
Inschriften und kehrte dann nach Deutschland zurück. Das Jahr 
darauf erhielt er durch Ritschis Bemühen die Stelle eines Kustos 
an der Universitätsbibliothek zu Bonn und habilitirte sich zugleich 
als Privatdozent. Litterarische Früchte der Bonner Dozentenfrist 
sind eine Abhandlung „über die Grundverschiedenheit im Bildungs- 
prinzip der griechischen und aegyptischen Kunst" (1856), geschrieben 
zur Abwehr der damals noch vielfach vertretenen Ansicht, die grie- 
chische Kunst sei im Gängelbande der aegyptischen herangewachsen, 
und ein Bonner für Ritschi übernommenes Programm, die mehr 
philologische als archäologische Untersuchung: „De auctorum in- 
dicibus Plinianis disputatio isagogica" (1856). 

Allein nicht umsonst hatte Brunn bei seinem Weggang aus 
Rom, altem Brauche folgend, das Wasser der Fontana Trevi ge- 
trunken und seinen Bajocco in die krystallene Fluth geworfen. 
Schon mit dem Neujahr 1857 finden wir ihn wieder auf dem Ka- 
pitol, nunmehr aber als zweiten Sekretär des archäologischen Instituts 
neben W. Henzen, der schon seit 1844 Braun an die Seite getreten 
war, als erstem. Braun war im September 1856 rasch und un- 
erwartet dem Fieber erlegen; welcher Nachfolger für die Abtheilung 
der bildenden Denkmäler wäre berufener gewesen als Brunn? So war 
er, gerne bereit, den Vorschlag der preussischen Regierung als der 
Protektorin der Anstalt zu acceptiren, wieder südwärts gezogen. 
Diesmal nicht allein. Diese zweite Romreise war zugleich seine 
Hochzeitsreise; ebenerst, am Winckelmannstage 1856, hatte er sich 
mit Ida Bürkner, einer Kaufmannstochter aus dem seinem Heimaths- 
orte unfernen Oranienbaum, vermählt. 



11 

Der Eintritt Brunns in das Sekretariat ist für das Institut 
überaus segensreich geworden. Etwas über 8 Jahre, bis Ostern 1865, 
hat er die Stelle bekleidet, und während dieser Frist erstarkte das- 
selbe, nachdem es eben zuvor bedenklich ins Wanken gerathen war, 
von neuem und begann seine schönste Blüthe zu entfalten. Zwar 
dieser Aufschwung liegt noch in anderen als persönlichen Verhält- 
nissen mitbegründet, wie der erhöhten und mehr gesicherten Dotation 
von Seiten der preussischen Regierung (1858/59), der jährlichen Ent- 
sendung zweier preussischer Stipendiaten, welche wieder andere junge 
Leute nach sich zogen, der Hebung archäologischer Studien an ein- 
zelnen deutschen Universitäten überhaupt; aber die gewichtigsten 
Faktoren waren doch jene beiden Männer auf dem Kapitol, die, so 
ungleich in ihrem übrigen Wesen, sich völlig glichen an Sinn für 
Programm und Ordnung, Eifer und Tüchtigkeit für ihre Sache. 
Nicht bloss Regel ist unter Brunn in die ihm obliegenden Geschäfte 
wieder gekommen, auch Vertiefung und Erweiterung der wissen- 
schaftlichen Leistungen und Ziele. Bewährte ältere Kräfte lieferten 
wieder litterarische Beiträge, einige besonders tüchtige jüngere folgten. 
Häufiger finden sich nun in den Veröffentlichungen auch schon länger 
bekannte Denkmäler, aber höheren künstlerischen Werthes, erörtert 
und zum Theil in verhältnissmässig vortrefflichen, stilgerechteren Ab- 
bildungen wiedergegeben. Auch von Sonderpublikationen ganzer Denk- 
mälerklassen nach dem Vorbild der Gerhard'schen Edition etruskischer 
Spiegel ist in Brunns Programmrede (Bull. 1857, p. 14 ff.) bereits 
die Sprache, und eine solche Ausgabe, „i rilievi delle urne etrusche", 
konnte noch von Brunn selber in Angriff genommen werden (1861; 
veröffentlicht in einem ersten Band, 1870). Was aber für die Zu- 
kunft von besonderer Gewähr wurde, war das Gewicht, welches 
von Brunn, der nicht bloss Sekretär, mehr noch maestro sein 
wollte, auf die sog. giri gelegt wurde. So fand in der Folge 
(1860) auch die Lehraufgabe Aufnahme in das Programm des In- 
stituts, und, war dieses bisher offiziell nur eine Centralstelle archäo- 
logischer Bekanntgaben, so wurde es jetzt zugleich mehr und mehr. 



12 

eine „Pflanzschule von Jüngern der Archäologie". Mit unvergäng- 
lichen Zügen stehen daher die Namen Henzen- Brunn in der Ge- 
schichte der Anstalt verzeichnet, und ganz nach Verdienst ist später 
Beiden die Ehre geworden, dass ihre Marmorbildnisse zu Häupten 
des Bibliotheksaales zur Aufstellung gelangten. 

Nicht minder glücklich als die amtliche war die wissenschaft- 
liche Thätigkeit des Sekretärs. Als Hauptarbeit der Periode ist der 
2. Band der Geschichte der griechischen Künstler zu verzeichnen, 
enthaltend die Maler, Architekten, Kleinkünstler und Vasenmaler. 
1858 (Mon. ed Annali) veröffentlichte und beleuchtete er die latera- 
nensische Statue, in der sein Scharfblick schon früher (1853) ein 
Nachbild des Myronischen Marsyas erkannt hatte. Eine weitere, 
ebenso erfreuliche sichere Entdeckung war die von Bestandtheilen 
des Akropolisweihgeschenks Attalos' I (Bull. 1865, Mon. ed. Annali, 
1870: i doni di Attalo). Typologische Studien nach Art jener 
über die Hera Farnese betreffen die grossstilige Hephaistosbüste des 
Museo Chiaramonti (1862, Mon. ed Annali, 1863) und das hoch- 
poetische Idealbild des Hypnos in einem Bronzekopf jetzt des briti- 
schen Museums (1863, Mon. ed Annali, 1868). Wiederholte Reisen 
in Etrurien lenkten seine Aufmerksamkeit intensiver auf die etrus- 
kische Kunst, der er ausser der Vorbereitung der Edition der „Urne 
etrusche" eine grössere Zahl theils exegetischer, theils geschichtlicher 
Aufsätze widmete. Schliesslich gehört in diese Zeit noch eine Schrift 
quellenkritischen Inhalts: „Die philostratischen Gemälde gegen K. 
Friederichs vertheidigt« (Jahrb. f. klass. Philol., Suppl. Bd. IV, 1861). 

Brunn fühlte sich glücklich in seiner römischen Stellung. Seine 
Thätigkeit hatte allseitige Anerkennung gefunden, Rom war ihm 
mehr und mehr eine zweite Heimath geworden, die Italiener be- 
trachteten ihn als einen der Ihrigen, so dass es schien, er werde 
das Kapitol nie verlassen, zumal nachdem er das Anerbieten einer 
Professur an der Universität Neapel abgelehnt hatte (1862). Und 
doch, an der Isar, nicht am Tiber war ihm bestimmt, Leben und 
Wirken zu vollenden. Als nach dem Tode Fr. Strebers, des Kon- 



13 

servators an dem K. Münzkabinet und Professors der Archäologie 
und Numismatik an der Universität München, der erledigte Lehrstuhl 
mit einem Vertreter speziell der klassischen Archäologie besetzt 
werden sollte, war es in erster Linie Brunn, der in Frage kam, 
und die mit ihm eingeleiteten Verhandlungen führten auch zum 
Ziele. Zwar am liebsten wäre er in Rom geblieben, aber für 
München entschieden das Bedürfniss einer Besserung seiner äusseren 
Verhältnisse und zugleich die Stelle des Rufes: die Kunststadt 
Ludwigs I. mit ihrer Glyptothek auserlesener Stücke, einer reichen 
Sammlung griechischer und etruskischer Vasen, einem für jene Zeit 
ziemlich ausgestatteten Antiquarium, kurz der erwünschteste Wirkungs- 
ort, den es damals in Deutschland für einen Archäologen gab. 

Ostern 1865 siedelte er über, und nicht lange bedurfte es, so 
hatte er auch im neuen Boden Wurzeln geschlagen. Der Kreis der 
Zuhörer, zunächst allerdings sehr bescheiden, erweiterte sich von 
Semester zu Semester; an dem k. Münzkabinet, als dessen Konser- 
vator er gleichzeitig berufen worden war, erhielt er in Fr. Reber 
einen ebenso eifrigen, als sympathischen Mitarbeiter; in der Akademie, 
deren auswärtiges Mitglied er schon seit 1860 gewesen, ordentliches 
kurz nach seiner Uebersiedlung wurde, führte er sich glänzend ein mit 
einer Untersuchung: „Ueber das Alter der aeginetischen Bildwerke" 
(1867) und jener, eine neue schöne Entdeckung verkündenden Fest- 
rede: „Ueber die sog. Leukothea in der Glyptothek" (1867); und 
schlichtweg und zwanglos, mehr beschaulicher als geschäftiger Natur 
hätte er wohl auch rein menschlich nirgends in Deutschland so 
leicht sich wieder eingelebt, als in der Bayernstadt. Nicht schwer 
fiel es daher, als ihm 1868 Anerbiet ungen von Wien her gemacht 
wurden, ihn gegen Gewährung einer Gehaltserhöhung, die keineswegs 
beträchtlich war, für München zu erhalten. 

Von da ab verlief das Leben unseres Akademikers in gleichmäs- 
siger Bahn und im Ganzen auch ungetrübt an ein Viertel jähr hundert. 

Die Zahl der Aemter und Pflichten wuchs, ja wurde schliess- 
lich wohl zu gross, als dass dadurch die Freiheit wenigstens seiner 



14 

schriftstellerischen Bewegung nicht gehemmt worden wäre; 1867 
wurde er Konservator auch der Vasensammlung König Ludwigs L; 
und gab es für diese, wie später für die Glyptothek, nachdem er 
deren „technischer Direktor" geworden war (1888), nach Lage der 
Dinge auch nur wenig zu schaffen, so beanspruchte um so mehr 
Zeit und Sorge eine neue Sammlung, deren Schöpfung Brunns 
Triebkraft allein zu verdanken ist: „Museum von Gypsabgüssen 
antiker Bildwerke." Schon bei den Verhandlungen, die seiner Be- 
rufung vorausgegangen waren, hatte er die Nothwendigkeit eines 
solchen für sein akademisches Wirken dem Minister v. Koch gegen- 
über fordernd hervorgehoben und später (1867) in einer eigenen 
„Denkschrift" eingehend begründet; aber erst nach langem Drängen 
und Ansetzung der verschiedensten Hebel erreichte er sein Ziel. 
1872 wurde der Anfang gemacht und es wuchs dann die Samm- 
lung stetig und so zweckmässig gewählt in den Stücken, .dass es 
Brunn zwar nicht so reich als die grössten in Deutschland, aber 
vielleicht als das instruktivste hinterliess. — Mit dem archäolo- 
gischen Institut war er zunächst durch noch zu erledigende Arbeiten 
wenigstens in Zusammenhang geblieben. Als dann aber der Plan 
auftauchte, dasselbe, nachdem es inzwischen ein k. preussisches ge- 
worden, zur Reichsanstalt zu erheben, da war er, wie nicht anders 
zu erwarten, mit ganzer Seele dabei, und seinem Schwergewicht 
vornehmlich ist es zuzuschreiben, wenn die neu eintretenden Staaten 
als solche auch in der Centraldirektion Vertretung fanden. Gleich 
mit dem Jahre 1874 in diese aufgenommen, half er sonach die 
Ziele und Geschicke der Anstalt, der er vordem gedient, wieder 
mitbestimmen. In dem Studienjahr 1885/86 fungirte er als erwählter 
Rektor seiner Universität. Seine Antrittsrede „über Archäologie 
und Anschauung" (1885) ist mit ein Bekenntniss der Anforderungen 
und Ziele, die er seiner Wissenschaft stellte; eine „Denkrede zur 
Erinnerung an das Centenarium der Geburt König Ludwigs L", 
wegen eingetretener Landestrauer nicht gehalten, sondern nur dem 
Druck übergeben (1886), feiert in Worten aufrichtiger Bewunderung 



15 

und Anerkennung die Verdienste dieses hochsinnigen Fürsten um 
die Kunst und die Antike insbesondere. 

1889 wurde er Sekretär der philosophisch-historischen Klasse 
der Akademie, später auch deren Vertreter bei der Reichslimes- 
kommission; eine Anzahl ebenso knapper als treffender Nekrologe 
rühren aus diesem Amte. 

Seine forscherische Aufmerksamkeit wandte Brunn in München, 
wie zu erwarten, zunächst den Schätzen der Glyptothek zu. Den 
beiden schon genannten Vorträgen folgte 1868 ein neuer Katalog der 
Sammlung: „Beschreibung der Glyptothek König Ludwigs L", ferner 
eine Erörterung speziell „über die Komposition der aeginetischen 
Giebelgruppen" (1868), deren Prinzipien sich berühren mit jenen 
eines Vortrages zur neueren Kunst: „Die Komposition der Wand- 
gemälde Raphaels im Vatikan" (Herm. Grimm: Ueber Künstler und 
Kunstwerke, II, 1867). Stilanalysen nicht minder fein und scharf 
als jene über die Aegineten haben „Stil und Zeit des Harpyienmo- 
monuments von Xanthos" (1870) und den „ Strangford'schen Jüng- 
ling" (1872) zum Gegenstand. Zur Vertheidigung und Weiteraus- 
führung früherer Aufstellungen erschienen: „Die Kunst bei Homer 
und ihr Verhältniss zu den Anfängen der griechischen Kunstgeschichte" 
(1868); eine abermalige Auseinandersetzung „über die Chronologie 
der ältesten griechischen Künstler" gegen L. Urlichs (1870); gegen 
K. Friederichs eine „zweite Vertheidigung der philostratischen Ge- 
mälde" (Jahrb. f. klass. PhiloL, 1871); zur Ausführung vordem 
von ihm mehr nur aufgeworfener Zweifel „Probleme in der Ge- 
schichte der Vasenmalerei" (1871). Vorlesungen über die Monu- 
mente des troischen Sagenkreises sind die speziell der Exegese 
gewidmeten Aufsätze: „Troische Miscellen" (I, II, 1878) entsprungen, 
welche später (III, 1880; IV, 1887) Fortsetzungen erhielten; der 
Liebe zu einem im Kriege gefallenen Schüler (K. Strube) ein „Supple- 
ment" zu dessen „Studien über den Bilderkreis von Eleusis" (1872). 

1871, nachdem inzwischen auch der die Denkmäler des troischen 
Cyklus enthaltende erste Band der „Urne etrusche" veröffentlicht 



16 

worden war, setzten die Vorarbeiten zu einem grösseren Werke ein, 
das, von Brunn als zweites Hauptwerk seines Lebens gedacht, die 
ganze griechische Kunstgeschichte umfassen sollte. Anfangs rasch 
vorgeschritten, gerieth das Unternehmen weiterhin leider ins Stocken; 
eine Folge wichtigster Neufunde, mit dem neuen Material neue Ge- 
sichtspunkte , die Absicht, gleich mit einem umfangreichen Haupt- 
theil hervorzutreten, nicht am wenigsten auch die grosse Zahl neben- 
her veröffentlichter Einzelschriften schoben den Beginn der Heraus- 
gabe immer weiter hinaus, bis endlich 1 893 wenigstens ein erstes Buch: 
„Die Anfänge und die älteste dekorative Kunst", vom Stapel lief 

Der gedachten Einzelschriften soll hier, indem exegetische und 
ein Paar Beiträge zur Kritik unserer litterarischen Quellen ganz 
bei Seite gelassen werden, nur eine Auswahl angeführt werden. 
Petersens Buch: „Die Kunst des Phidias", erschienen 1873, lockte 
neue Erklärungsversuche für „die Bildwerke des Parthenon und 
Theseion" (1874) hervor; die glückliche Entdeckung der Skulpturen 
des olympischen Zeustempels die stilkritischen Abhandlungen: „Paio- 
nios und die nordgriechische Kunst" (lö76) und „die Skulpturen von 
Olympia" (I, 1877; H, 1878). Zur Feier des 50 jährigen Jubiläums 
des archäologischen Institutes leistete er seinen Beitrag in der ein- 
gehenden Würdigung der Statue des sog. „Salbers" in der Münchner 
Glyptothek („tipo statuario di atleta", 1879). Die allgemeine Be- 
wunderung, welche die Kunst des pergamenischen Kolossalfrieses 
erregte, suchte er in eine kritischere Schätzung der Eigenart des 
Werkes einzudämmen durch die feine und umfassende Studie: „Ueber 
die kunstgeschichtliche Stellung der Gigantomachie zu Pergamon" 
(Jahrb. d. k. preuss. Kunstsammlungen V, 1884). Von zwei Abhand- 
lungen „über tektonischen Stil" (1883, 1884) ist die erste offenbar 
im Hinblick auf die „Probleme" aus den Vorarbeiten zur Kunst- 
geschichte herausgehoben und erweitert, die zweite vor Allem durch 
den Fund sehr charakteristisch-alterthümlicher Skulpturen auf Delos 
und Samos (Statuen der Nikandre und des Cheramyes, der Nike 
des Archermos) veranlasst worden. Erneut aber auf die in den 



17 

»Problemen" aufgeworfenen Fragen zurückzukommen, fand er sich 
durch die Ergebnisse der Ausgrabungen in der Certosa von Bologna 
ermuntert („Die Ausgrabungen der Certosa von Bologna. Zugleich 
als Fortsetzung der Probleme in der Geschichte der Vasenmalerei", 
1887). Den Bemühungen, mehr Licht in die scheinbar spröde und 
leere Komposition des olympischen Zeustempel-Ostgiebels zu bringen, 
schloss er sich an mit einem Aufsatze „über Giebelgruppen" (1888), 
in welchem er Aufschlüsse für die Disposition der Figuren durch 
eine prinzipielle Erörterung der Komposition von Giebelwerken zu 
gewinnen erhoffte; und wie vordem die Kompositionsschemata der 
raphaelischen Stanzengemälde, so wurde neuerdings auch „Raphaels 
sixtinische Madonna" (Deutsche Rundschau, Bd. XLVII, 1886) auf 
ihre Dispositionsgrundgedanken geprüft und erläutert. — Gleich- 
zeitig mehrte sich die Zahl der Betrachtungen von „Götteridealen", 
wozu Brunns Theilnahme an Philologenversammlungen und andere 
Gelegenheiten zu öffentlicher Rede den Anlass gaben: „Demeter von 
Kuidos" (1874), „Medusa" (1884), „Die Personifikation des Meeres 
in griechischer Plastik" (1885), „Apollo Giustiniani" (1891), „Askle- 
pios und Zeus" (1892). 

Aussergewöhnliche Unterbrechungen — längeren Urlaub nahm 
er nie — erfuhr Brunns Thätigkeit während der Münchner Zeit 
nur durch ein paar Reisen, von denen zu wissen für die Beurtheilung 
des Umfangs seiner Monumentenkenntniss aus Autopsie nicht ohne 
Interesse ist. Hellas kennen zu lernen, dessen Kunst sein wissen- 
schaftliches Leben vorzugsweise galt, ist ihm nicht vergönnt gewesen; 
in jüngeren Jahren den für die Reise erforderlichen Kostenaufwand 
scheuend, wollte er in höheren die Gefahr vermeiden, durch neue, 
mächtige Eindrücke von der Arbeit an seiner Kunstgeschichte noch 
weiter abgezogen zu werden. Dagegen besuchte er im Sommer 
1871 London, wo er zum ersten Mal die vornehmsten Originalwerke 
des griechischen Meisseis bewundernd zu studiren Gelegenheit hatte, 
auch der historische Werth des sog. Apollo Strangford ihm aufging. 
Die Rückreise führte ihn über Paris, dessen Kunstschätze er vordem 



18 

schon (1864), aber nur flüchtig in Augenschein genommen hatte. 
Der grosse Abstand zwischen Originalen und Copien frappirte ihn; 
schal, stumpf, seifig erschien ihm nach London die Masse der An- 
tiken, die er in Paris zu sehen bekam. Ostern 1879, bei Gelegen- 
heit des 50 jährigen Jubiläums des Instituts mit K. Halm zusammen 
als Vertreter der Akademie entsandt, sah er Italien, sein geliebtes 
Rom und die Hauptmuseen der Halbinsel wieder. Und 1881 ge- 
langte er, erwählter Preisrichter über Concurrenzarbeiten für ein 
Bärdenkmal zu Dorpat, noch nach Petersburg, wo vor allem „die 
Goldsachen und Vasen aus der Krim" seine Aufmerksamkeit fesselten, 
die letzteren ihn in seiner Theorie von dem imitirten Stil der 
italischen Vasen nur bestärkten. 

Dem Ansehen und Wirken Brunns folgten Ehren und Auszeich- 
nungen in reichem Maase. Nur die Verleihung des Verdienstordens 
der bayerischen Krone, als dessen Ritter er in den Adelsstand eintrat, 
und die Aufnahme in das Kapitel des Maximiliansordens für Kunst 
und Wissenschaft seien namentlich hier angeführt. Und was schliess- 
lich das Theuerste anlangt, was er hatte, sein Familienleben, so war 
auch dieses ein heitergemüthliches, gesegnetes. Im Hause erwuchsen 
ihm drei Kinder, seines Stammes werth, zwei Töchter und ein Sohn, 
jedes einzelne der Eltern Herzensfreude, der Sohn, Hermann, später 
Mathematiker und Privatdozent in München. 

Aber viel Leid war dem guten und verdienten Manne noch 
beschieden für den Ausgang seines Lebens. Im Sommer 1890 
befiel den sonst so Gesunden ein stärkeres Unwohlsein, infolge dessen 
er leicht lahmte; der Arzt konstatirte Anzeichen diabetischer Er- 
krankung. Das Jahr darauf gesellte sich zu dem eigenen Leiden 
die Sorge um die treue Lebensgefährtin, welche, plötzlich erkrankt, 
eine völlige Genesung nicht wiederzufinden schien. Im Januar 1893 
aber erlitt er selbst einen Schlaganfall, und von dessen Folgen ver- 
mochte er, wiewohl eigentlich nie bettlägerig, sich nicht mehr zu 
erholen. 

Nur eine, seinem Herzen überaus wohlthuende Freude hat 



19 

Brunn darauf noch erlebt, am 20. März 1893 die Feier seines 
50jährigen Doktorjubiläums, begangen nicht nur von seinen An- 
hängern und Kollegen in München, von einem grossen Theil der 
archäologischen Welt. 

Mit rührender Genugthuung nahm der Jubilar, der mit der 
Veröffentlichung des ersten Buches seiner Kunstgeschichte auch 
seinen Verehrern eine Gabe bieten wollte, die Fülle der einlaufenden 
und persönlich dargebrachten Glückwünsche, Huldigungsadressen, 
Widmungen als Lohn seiner Lebensarbeit entgegen. Die philo- 
sophische Fakultät zu Bonn hatte ihm das Doktordiplom mit einem 
Elogium voller Anerkennung erneuert, der deutsche Kaiser ihn 
durch Verleihung der Medaille für Kunst und Wissenschaft beglückt, 
Verehrer und Schüler seine Porträtbüste gestiftet, die einige Tage 
zuvor in festlicher Sitzung in dem Bibliothekssaale des Instituts 
zu Rom enthüllt worden war, ein Werk Ruemanns aus einem alten 
pentelischen Block, den die k. griechische Regierung geschenkt 
hatte. Obschon krank und schwach, liess er es sich auch nicht 
nehmen, in dem Kreise der ihm zu Ehren zu einem Mahle ver- 
einigten Freunde selbst zu erscheinen und dort in schlichten, von 
Herzen kommenden Worten den Bildungsweg zu schildern, den er 
genommen. Es waren die letzten Worte, die er vor einem weiteren 
Kreise sprach. Kräftigung erhoffend von einem Aufenthalt in Gries 
bei Bozen, darauf in Josephsthal bei Schliersee, hier abermals im 
Sommer 1894, liess er nicht ab von den Gedanken an seine Arbeit, 
schwer auch von der Hoffnung, die Wiederaufnahme seiner Vor- 
lesungen wieder erzwingen zu können, bis im Juli eine Nieren- 
entzündung dem alten Leiden sich verbindend seine letzte Kraft 
brach. Am 23. Juli 1894 schloss er, 72y2 Jahre alt, zu Josephsthal 
seine dem Dienste des Schönen geweihten Augen. Beigesetzt ist 
seine irdische Hülle zu München, in dem nördlichen Friedhof. 



20 



^A.ninerkungeii. 

Bei Abfassung der Rede (März 1895) lagen mir die folgenden Nekrologe vor: 

Augsburger Abendzeitung 1894, Nr. 204, gezeichn. H. K. (Heinr. Köberl); 

G. Wissowa, Kölnische Zeitung 1894, Nr. 655; 

G. Habicb, Münchner Neueste Nachrichten 1894, Nr. 550; 

Herrn. Grimm, Deutsche Rundschau XX, 12 (1894). 

Es versteht sich, dass auch die verschiedenen Artikel und sonstigen öffent- 
lichen Aeusserungen, welche über Brunn bei Gelegenheit von dessen 50 jährigem 
Doktorjubiläum (1893) laut geworden sind, mir nicht unbekannt gewesen sind. 

Zu S. 4. Den Ausführungen über die Familie und die Jugendzeit Brunns liegen 
ausser dessen eigenen gelegentlichen Äusserungen und den Angaben in der Vita 
seiner Inauguraldissertation noch eingehende Mittheilungen zu Grunde, die ich 
der Güte seines jüngeren Bruders, des Geh. Regierungsrathes Herrn Leop. Brunn 
in Dessau verdanke. 

Auch Herrn v. Szczepänski in Weimar, einem Studienfreunde Brunns bin 
ich für Aufklärung zu Dank verpflichtet. Ueber den Haushalt in Brunns 
Vaterhaus bemerkt Herr v. Szczepänski in den Akademischen Monatsheften 1893, 
Heft 108: »Das elterliche Haus, welchem die freundliche Gattin des Pfarrers 
geschäftig und liebreich vorstand, machte den Eindruck einer wohlgepflegten 
bürgerlichen Haushaltung, wo zwar kein Ueberfluss, aber auch keine zu ängst- 
liche Sparsamkeit herrschte.** 

Ein Zweig der Brunn'schen Familie ist seit 1834 geadelt. Er geht ans 
von einem Onkel des Archäologen, Bruder des Wörlitzer Pfarrers, der Geheimer 
Obermedizinalrath und Leibarzt der beiden letzten Herzöge in Cöthen war. — 
Der Archäologe Brunn erhielt das Adelsprädikat in Folge Verleihung des Ver- 
dienstordens der bayerischen Krone 1882. 

Zu S. 7. Eine lebendige Schilderung damaligen Bonner Corpslebens, aus der 
gewandten Feder des schon genannten Herrn v. Szczepänski, findet sich unter dem 
Titel: „Bonner Skizzen" in den Akademischen Monatsheften 1892, Hefte 74; 
85 — 91; 93; 96 — 99. In einer Episode spielt auch der junge Brunn („Dessauer**) 
eine Rolle. — Der Freundlichkeit dieses Herrn bin ich auch für Mittheilungen 
über die Lebensweise und Zeiteintheilung des Studenten Brunn verpflichtet, die 
ich nicht unterlassen kann, hier wiederzugeben. „Ich habe**, so schreibt Herr 
V. Szczepänski, „mit Brunn 5^2 Semester zusammengewohnt und manche Fahrt, 



21 

die er sehr liebte, z. B. in die Eififel, an die Lahn, in das Siebengebirge, zum 
Fasching nach Cöln, mit ihm gemacht. Daheim war er sehr fleissig, ohne 
jedoch seine corpsstudentischen Pflichten zu vernachlässigen. Im Sommer wurde 
um 5^/a, im Winter 6^/a Uhr aufgestanden und bis zum Beginn der Collegien- 
zeit gearbeitet; nach den Collegien wiederum bis zum Mittagsbrot und nachmittags 
von 3 Uhr bis 6*/, Uhr an Kneiptagen — Mittwoch und Sonnabend — , an 
anderen Wochentagen bis T'/a Uhr. Von Frühschoppen war niemals die Rede. 
Sonntags, und bei sehr schönem Wetter ausnahmsweise auch an Werktagen, 
wurden die Nachmittage zu Spaziergängen in die nächste Umgebung Bonns 
benutzt. Im Winter besuchte Brunn ausser den Gesellschaften der Professoren 
auch die Bälle der Lesegesellschaft und der Liedertafel, kurz er unterliess es 
auch nicht, im Verkehr mit der schöneren Hälfte des menschlichen Geschlechts 
seiner vom Gymnasium mitgebrachten Tournüre nachzuhelfen.* 

Zu S. 8. Ein noch vorhandenes, im Besitze der Familie befindliches Tage- 
buch gibt Auskunft über die Reise. 

Ueber Emil Braun vgl. u. a. Michaelis, Geschichte des deutschen archäo- 
logischen Instituts, S. 53, 87, 101 ff., 114 f.; auch Ribbeck, Fr. W. Ritschi, 
I, 193 ff. 

Zu S. 9. Aus der Zahl der damaligen Romfahrer, mit denen Brunn in 
näheren und regeren Verkehr gekommen und später noch in Beziehungen geblieben 
ist, nenne ich: Theodor Mommsen, der 1845 die ewige Stadt zum ersten Male sah, 
Fr. G. Welcker, der 1845/46 erneut in Rom sich aufhielt und damals viel mit 
Brunn zusammen war, von wo ab auch der Briefwechsel zwischen beiden be- 
ginnt, Hermann Hettner, die beiden Bonner Seminargenossen Karl Prien und 
Heinr. Keil, ferner Jul. Friedländer, Mart. Hertz, K. B. Stark, zum Schlüsse 
noch 0. Ribbeck. Weiter siehe über Gäste des Instituts in jener Zeit: Michaelis 
a. a. 0. p. 183 ff. — Einfluss auf Brunn gewann u. a. auch August Kestner, 
seit 1827 hannoverischer Gesandter zu Rom, ein warmer und intelligenter Freund 
der Antike und künstlerisch geschult, lange Zeit eine der maassgebendsten 
Persönlichkeiten bei dem Institut, vgl. Michaelis a. a. 0. p. 8; auch Brunn, 
Griechische Götterideale, Vorwort. 

Braun, der zuletzt Brunn mehr anfeindete als begünstigte, ist parteiisch, 
wenn er ihm vorwirft (Jahrbücher f. klass. Philol. 1854, S. 275): „Auch würde 
ihm der Umgang mit jüngeren strebenden Künstlern, denen die Begeisterung 
für ihren hohen Beruf noch nicht erloschen ist, besser gethan haben, als die 
einseitige Berathung mit zwar verdienstvollen, aber abgelebten Greisen, von 
denen er ebenso viel Vorurtheile als Erfahrungen hat hinnehmen müasen.* 



22 

Brunn erholte sich Rath nicht bloss bei ^abgelebten Greisen **, aber er scheint 
eben früh erfahren zu haben, dass man von Alten mehr lernt als von Jungen, 
und wenn diese noch so begeistert wären für ihren Beruf. 

Zu S. 10, Die Beiträge Brunns in die Allgemeine Zeitung finden sich in 
der Beilage 1849; Zeichen: ^. 

Zu S. 10. Ueber das Unternehmen des Thesaurus römischer Inschriften 
vgl. Ribbeck, Fr. W. Ritschi II, S. 197 flf., und soweit Brunn dabei in Betracht 
kommt, S. 215 ff. — Mit Emphase hebt Brunns Eifer und Bemühungen für die 
Sache Ritschi in der Vorrede der Priscae latinitatis monumenta (1862) hervor: 
Ipsum autem Brunnium qui satis praedicabo? quem sciundum est, itinere mea 
causa per abdita Italiae aviosque hominum recessus suscepto, quo delitescentes 
lapides venaretur saepe praememorabiles, et famem sitimque et calores solis 
tempestatumque iniquitatem et vero (vera narro) latronum injuriam tam strenue 
et fortiter sustinuisse, ut qua per ludum ab amicis ornari solitus est honorifica 
Herculis Saxani appellatione, ea re vera exstiterit dignissimus. 

Zu 8. 11. Ausführlichere Mittheilungen über die Verhältnisse des Instituts in der 
Zeit von Brunns Sekretariat bietet Ad. Michaelis, Geschichte des deutschen archäol. 
Inst. S. 137 — 154. — Der Thätigkeit Brunns widmet Conze, Generalsekretär 
des Instituts, Arch. Anzeig. 1894, S. 111 f. die Worte: „Er gab dem Institute 
an der Seite seines älteren CoUegen ein neues Leben und fördernd und gefördert 
entfaltete er in dieser Wirksamkeit sein wissenschaftliches Wesen und seine 
besondere Begabung als Lehrer. Er ist es vor allem gewesen, welcher dem 
Institute neben der Aufgabe wissenschaftlicher Forschung und Vermittlung 
zugleich seinen Charakter als wissenschaftliche Lehranstalt aufprägte, bestimmt 
auf deutschen Universitäten begonnenen Studien die Weiterentwicklung zu 
erleichtern." 

Zu S. 14. „Denkschrift über die Gründung eines Museums von Gypsabgüssen 
klassischer Bildwerke in München (als Manuskript gedruckt). München 1867.' — Das 
Museum sollte die folgenden Abtheilungen haben: 1. eine historische mit Proben 
etruskischer Bildnerei als einer Vorstufe der national-römischen und ägyptischen 
wie assyrischen zum Behufe allgemeiner Stilvergleichung zwischen der orienta- 
lischen und klassischen Kunst, 2. eine kunstmythologische, die über das Gegen- 
ständliche in der antiken Kunst, namentlich Idealtypen zu belehren hätte, 3. eine 
Abtheilung für Porträt. Schliesslich sollten Beispiele der Architektonik und 
Tektonik angereiht werden. 

Zu S.18. Gelegentlich der französischen Reise 1864 besah er sich auf Wunsch 
Ritschfs auch das Denkmal der Julier in St. Remy; vgl. Ribbeck, Fr. W. Ritschi, 
II, S. 240; Ritschi, Opusc. philol. IV, p. 562, jetzt abgedruckt auch in 



23 

Brunns kleinen Schriften, herausgegeben von Herrn. Brunn und Heinr. Bulle, 
I, S. 71 f. 

Zu S. 18. Weitere Titel und Auszeichnungen siehe im Almanach der 
k. b. Akademie der Wissenschaften 1893, S. 30, 31, auch im Personalstand der 
Münchener Universität vom Jahre 1894. 

Zu 5. 19. Einen ausführlicheren Bericht über die Feier enthält die Münchn. 
AUgem. Zeitung 1893, Beilage Nr. 68 (vgl. Arch. Anzeiger des k. deutsch-arch. 
Inst. 1893, 2), wo auch die wissenschaftlichen Dedikationen angeführt sind und 
das Elogium des erneuerten Doktordiploms der Bonner philosophischen Fakultät 
wiedergegeben ist. — Ueber die Festsitzung auf dem Kapitol siehe Mittheilungen 
des röm. arch. Instituts 1893, p. 101. — Eine kurze Charakteristik der Brunn- 
schen Richtung hat in den Münchner Neuesten Nachrichten 1893, Nr. 129 
P. Arndt gegeben, A. Flasch in der Münchner Allgemeinen Zeitung 1893, No. 68 
einen Lebensabriss und eine Würdigung der wichtigsten Brunn'schen Arbeiten. 

Zu S, 19. Das Grab schmückt eine Marmorstele griechischer Form, gearbeitet 
in Athen nach attischem Vorbild, eine Stiftung von Schülern, Anhängern und 
Freunden. Das Kopfbildniss darauf, Flachrelief und Profil nach rechts, hat 
Erwin Kurz ausgeführt. 



(Die folgenden Abschnitte sind von dem Verfasser unvollendet hinterlassen worden; 
soviel davon einigermassen fertiggestellt war, wird hier wiedergegeben, in der von dem 
Verfasser vermuthlich beabsichtigten Reihenfolge. 

Der Herausgeber.) 



24 



Ueber die litterarische Thätigkeit des Verewigten ist bislang 
nur ein Ueberblick gegeben. Eine eingehendere und zusammen- 
hängende Würdigung, wie sie gerade hier, wo wir des Mannes 
der Wissenschaft ehrend gedenken, geboten ist, steht noch aus. 
Dieser Aufgabe unternehme ich jetzt gerecht zu werden. 

Eine volle Charakteristik der einzelnen, wenn auch nur der 
bemerkenswerthesten Schriften darf übrigens von dieser Erinnerungs- 
rede nicht erwartet werden. Mehr auf das Ganze, die Kennzeich- 
nung des ümfangs, der Ziele und der Bedeutung der Brunn'schen 
Forschung kommt es uns an, und nur unter diesem Gesichtspunkte, 
nur als markante Specimina, werden einzelne Schriften herangezogen 
werden und zum Theile vollere Beleuchtung empfangen. 

Brunn war ein Forscher im wahren Sinne des Wortes, ein 
schöpferischer und individuell entwickelter Geist, der, wenn er sich 
äusserte, immer auch ein Eigenes und einigermassen Neues mitzu- 
theilen hatte und auch mehrfach vorbehandelten Gegenständen noch 
den Stempel seiner Mitarbeit aufzudrücken vermochte. Reiche Kom- 
binationsgabe, volle Selbständigkeit des wissenschaftlichen Denkens 
wiesen ihm in Allem seine persönlichen Wege; er war ein Pfad- 
sucher, kein Pfadnachtreter. 

Die Zahl seiner Schriften ist gross, doch litterarisch betriebsam 
können wir ihn desshalb doch nicht nennen. Er arbeitete, man 
kann sagen, unablässig, zu dem Entschluss einer Fertigstellung und 
Bekanntgabe aber bedurfte er zumeist erst eines starken äusseren 
Anstosses, wie er ihn in seiner römischen Zeit vornehmlich an den 
Instituts-, in seiner Münchner an den Akademiesitzungen hatte. 
Daraus zum Theil erklärt sich die Thatsache, dass sich sein litte- 
rarisches Lebenswerk in einer langen Folge von Abhandlungen und 
Aufsätzen darstellt, neben welchen nur ein grösseres Werk zu 
verzeichnen ist, das er vollendet, und ein zweites, das er unvollendet 
hinterlassen hat. In höherem Maasse aber gründet diese Thatsache 



25 

in der ganzen Weise seiner Schriftstellerei. Brunn war ein Werk- 
meister feinkünstlerischer Art; er arbeitete langsam und bedächtig 
und gebrauchte um so mehr Zeit, je mehr ihm neben der Gründlich- 
keit und Gewissenhaftigkeit in der Behandlung der Dinge auch die 
äussere Darstellung, die Form am Herzen lag. Das macht begreiflich, 
dass Untersuchungen eines bestimmten engeren Zieles leichter von ihm 
zu gewinnen waren, als weitaussehende Unternehmungen, massenhaft 
im Stoff und nothwendig gleichmässig oder selbst rücksichtslos fort- 
schreitender Arbeit. 

Als Grundeigenschaften der Brunn'schen Forschung hätten wir 
also gleich hier die Besonnenheit und Gewissenhaftigkeit seiner 
Angaben, überhaupt eine grosse Ehrlichkeit des ganzen Bekennens 
hervorzuheben; was aber die Darstellung anlangt, so ist dieselbe 
im Ganzen ruhiger und ausgesprochen didaktischer Haltung; aber 
wohl künstlerisch ausgegliedert, schön und klar geformt, gewählt 
und gefällig in Wortfügung und Bewegung, gelegentlich, wie für 
Vorträge, auch gehoben durch leichte rhetorische oder poetische 
Färbung. 

Das Publikum, das er im Auge hatte, war häufig ein weiteres 
als das seiner Fachkreise, der Philologen, Archäologen, Kunst- 
historiker. Aber es ist mir fraglich, ob er selbst bei diesen immer 
sofort das richtige Verständniss gefunden hat. So ruhig und ge- 
fällig er schreibt, so erheben seine Schriften doch nicht geringen 
Anspruch auf die geistige Mitarbeit des Lesers, sondern wollen 
studirt oder wiederholt gelesen sein, wenn man die Tragweite und 
ganze Durchdachtheit seiner Ausführungen auch richtig erfassen 
will. Sein Standpunkt war stets ein ausgesuchter und nicht gerade 
vielen ohne weiteres zugänglicher. Freilich auch das will gesagt 
sein: die innere und äussere Gefeiltheit der Gedanken benimmt 
seinen Schriften zwar nicht die Klarheit und äussere Grazie, wohl 
aber viel an freier, leichter und frischer Lebendigkeit, zuweilen auch 
an der erwünschten sachlichen Fülle und damit natürlich nicht 
selten auch an unmittelbarer, frisch überzeugender Wirkung. 

4 



26 

Inhaltlich bewegen sich seine Arbeiten vorwiegend auf den 
beiden Hauptgebieten der Archäologie, der Denkmälererklärung und 
der Kunstforschung. Auf den Interpreten werden wir später noch 
besonders zu sprechen kommen. Obschon der vornehmsten und 
feinsten einer, so lag das Schwergewicht seines Interesses, wie auch 
seiner Verdienste doch auf Seite der letzteren. Als Interpret wäre 
er wohl noch herauszudenken aus der Entwicklungskette seiner 
Wissenschaft, als Kunstforscher nicht. Denn Brunn ist es, an dessen 
Namen als den des zielbewusstesten Erweckers und nachhaltigsten 
Förderers die Erstarkung der antiken Kunstwissenschaft sich knüpft, 
die kurz nach der Mitte des 19. Jahrhunderts anhob. 

Man möchte glauben, er sei zu solchem Werk gewissermassen 
vorbestimmt gewesen. Wenigstens erscheint es aus seinen Anschau- 
ungen und Verhältnissen heraus fast wie noth wendige Folge, dass 
er den Weg zur Kunst einschlug und auf demselben einen weiten 
Vorsprung gewann vor anderen Mitstrebenden. Formenfreude und 
künstlerisches Empfinden sind ja keineswegs sehr häufige Gaben 
und am seltensten vielleicht in jenen Kreisen, in denen die Jugend 
vornehmlich in litterarischem Drill verläuft, der Sinn daher ge- 
wöhnlich mehr eingestellt ist auf die Formen der Sprache, als die 
Sprache der Formen. Brunn dagegen verfügte in seiner besonderen 
Begabung und Vorbildung über das Hauptrequisit eines Kunst- 
historikers, Geschmack und Fähigkeit eines künstlerischen Ur- 
theils, das ihn auch bald heraushob vor anderen Archäologen. Der 
Vortrag über die „Hera Farnese" war eine Kühnheit für jene Zeit 
sowohl, wie für das jugendliche Alter des Vortragenden. Der Vortrag 
hat sein eigentliches Ziel auch nicht erreicht; weder dass der Kopf eine 
Hera darstelle, wurde zwingend erwiesen, noch dass speziell die poly- 
kletische. Aber was den jungen Mann bewegte, war seine bestimmte, 
grundgefestigte Erkenntniss des ganzen Formensystems des Kopfes. 
Er nannte dieses System Hera, uns ist der Name Schall; aber indem 
er es aufwies in seiner ganzen Grösse, Schärfe, Energie und Con- 
sequenz gegenüber dem matteren, stumpferen, oberflächlicheren 



27 

Formenideal der „Hera" Ludovisi, hat er seiner Zeit die Augen 
geöffnet, Formen sehen, verfolgen, unterscheiden gelehrt, wie wenig 
Andere zuvor, und damit den Vortrag doch zu einem lichtbringenden 
Ereigniss erhoben. 

Die Künstlergeschichte , deren Neuartigkeit selbst diejenigen 
frappirte, in deren Kreis sie entstand, offenbarte ihn dann ganz 
als den Mann, der, Philologe oder obschon Philologe, das Zeug 
in sich fühlte, von Kunst wie von Kunst zu handeln, als einer 
besonderen Erscheinungswelt, der bildnerisch-ästhetischen, auf die 
besonderen Charaktere und Probleme dieser Erscheinungswelt 
liebevoll näher einzugehen. Dieses Vermögen , in die tausend- 
fältigen Thatsachen und Bedingungen der Kunst als solche ein- 
dringend sich zu versenken, war die treibende Kraft in Brunns 
wissenschaftlichem Lebenswerk. Wir sehen, wie sie ihn stufenweise 
hebt und schärfer bestimmt, ihn allmählich loslöst von der Philo- 
logie als Sprach- und Litteraturwissenschaft bis an die erlaubte 
Grenze, und selbst von der Archäologie von ehedem, und nun völlig 
einspannt auf die Archäologie als eine der Philologie als Sprach- 
und Litteraturwissenschaft nach Ziel und Methode grundverschiedene 
Wissenschaft. 

Damit ist auch schon der zweite Hauptfaktor in der Brunn- 
schen Forschung berührt. 

Trotz seines Kunstsinnes wird man bezweifeln dürfen, dass er, 
wenn er statt der Wissenschaft sich der ausübenden Kunst gewidmet 
hätte, wirklich auch ein echter und rechter Künstler geworden 
wäre. Dazu stak wieder eine zu starke Mitgift von Rationalismus 
in ihm. 

Ohne Zweifel die Kunst als seines inneren Lebens Bedürfniss 
empfindend und ein Vertrauter ihres Wesens, war er, sie selber mit 
Erfolg auszuüben, doch wohl in zu überwiegendem Maasse eine 
philosophische und nüchtern methodische Natur, ein kritischer Kopf, 
ein Denker. Schon bei seiner Doktorpromotion finden wir ihn die 



28 

These vertheidigen, er ziehe es vor, zu irren, wenn nur „via et 
ratione", als die Wahrheit zu finden „sine ratione"; gleich seine 
erste Arbeit über ein kunstgeschichtlich bedeutendes Denkmal, die 
berührte „Hera Farnese", ist so ganz „via et ratione" ausgeführt; 
und es zieht sich diese Eigenschaft der Ratio neben künstlerischer 
Einsicht und Bestinamtheit der Urtheile, motivirt und selbstgeschöpft, 
wie man sie sonst nur von „studirten" Künstlern bisweilen zu hören 
bekommt, weiterhin durch alle seine Schriften hindurch, so mächtig, 
dass sie ihnen erst ihren vollen Stempel gibt: den einer durchaus ver- 
standesmässigen, nüchtern kritischen Behandlung künstlerischer Pro- 
bleme und Thatsachen. Haben wir es vornehmlich als Ausfluss des 
bildnerisch-ästhetischen Sinnes in Brunn zu betrachten, dass er antike 
Kunstwissenschaft speziell auf seine Fahne schrieb und derselben 
an Universitäten kräftiger als Andere erst recht zu Ehren verhalf, 
so war es der Ausfluss seiner Ratio, dass er sie methodischer und 
sachgemässer trieb als seine Vorläufer unter den Universitätsarchäo- 
logen. Brunn schwärmte für die antike Kunst, ihm war sie Kunst 
yMj' iioyJiv, Aber alles Schwärmerische, selbst Temperamentvollere 
fehlt in seinen Untersuchungen, ja es steckt vielmehr eine gewisse 
Kälte in ihnen, ein Etwas, was an den Sezirtisch oder die Rechen- 
tafel erinnert. Er kann sich im Zerlegen oder Präpariren nicht 
genug thun. Er sah auch in den Schöpfungen der Kunst nur 
Phänomena, die im Gegensatz zu dem lediglich rezeptiven oder ge- 
niessenden Menschen der Forscher nicht bloss zu empfinden, sondern 
darüber hinaus auch zu begreifen, aus dem Bereiche des Empfindens 
und der blossen Meinungen und Eindrücke in jenen des gegründeten 
Wissens, des wissenschaftlichen Verstehens hinüberzuführen habe. 



Art und Umfang der litterarischen Thätigkeit Brunns scheinen 
durch das Gesagte hinlänglich gekennzeichnet zu sein. Aber wir 
dürfen diesen Haupttheil unserer Aufgabe nicht als erledigt ansehen, 
ohne Induvidualität und Wirken des Autors noch besonders im 
Zusammenhang der Geschichte seiner Disciplin betrachtet zu haben. 



29 

Als Brunn studirte und weiterhin seine ersten Arbeiten ver- 
öflFentlichte, war die Archäologie genannte Wissenschaft im Grunde 
genommen nichts anderes als eine blosse Denkmälerkunde, die 
ebenso auskunftsreiche als durch ihre künstlerische Erscheinung 
anziehende Dienerin der Philologie, ihr „Mädchen für Alles", das in 
der Ausbeute unserer gesammten „monumentalen" oder materiellen 
Ueberiieferung im Interesse der Alterthumskunde seine reizende, 
unerschöpfliche Aufgabe hatte und dementsprechend des Archäologen 
Hauptgeschäft die Exegese. 

Neben und innerhalb dieses weiten Rahmens unter8c];iied man 
auch eine Archäologie im Sinne einer Wissenschaft speziell von der 
antiken Kunst, dem Kunstleben des Alterthums, und es wurde ge- 
legentlich, am nachdrücklichsten wohl von 0. Jahn (1878), die 
Kunstforschung als das eigentliche „Ziel und Prinzip", als Kern- 
und Angelpunkt der ganzen Archäologie genannten Disciplin hin- 
gestellt. Aber hält man Umschau in dem praktischen Betrieb jener 
Zeiten, so erscheint diese Forderung eigentlich nur als ein Ideal 
auf dem Papier. In praxi sah es anders aus. Die als Centraldisciplin 
der gesammten Archäologie hingestellte Kunstforschung stand nur 
sozusagen ä la suite des Ganzen, und ihr Betrieb unterschied sich von 
den anderen philologischen Disciplinen eigentlich nur durch den „Stoff". 
Immer schillert als Untergrund das litterarische und philologische 
Interesse und Kolorit hervor. Es liegt mir fern, die Verdienste von 
Gelehrten ersten Ranges, wie Welckor, 0. Müller, E. Gerhard, 0. Jahn, 
verringern zu wollen. Allein es lässt sich andererseits doch nicht in 
Abrede stellen: zwar äussere Nahrung hatte die antike Kunstwissen- 
schaft seit Winckelmanns Zeiten reichlich erfahren, innere Fortschritte 
dagegen, wenn wir absehen von der reinen Geisteswelt in der Kunst, 
nur geringe zu verzeichnen, und diese stehen weniger auf Rechnung 
der Universitäts- Archäologie. Man beruhigte sich im grossen Ganzen 
bei den ererbten Winckelmann'schen Anschauungen und Kenntnissen; 
es mag die gelegentlich geäusserte Meinung eines Eduard Gerhard, 
die antike Kunstgeschichte sei doch eigentlich fertig, kaum mehr 



30 

ein Feld, das noch rechte Ausbeute verspreche, damals nicht ver- 
einzelt gewesen sein; jedenfalls zeigt sie, wie damals selbst in den 
Elitekreisen der Archäologie der Gedanke an die Möglichkeit einer 
Erhöhung des Interesses an Kunstgeschichte und einer einbrechenden 
Steigerung unseres kunstkritischen und kunsthistorischen Vermögens 
über Winckelmann und die Leistungen der ersten Hälfte des 19. Jahr- 
hunderts hinaus eher fern als nahe lag. 

Als Brunn von uns schied, stand dagegen die Kunstforschung seit 
mehr als einem Menschenalter thatsächlich im Centrum der Archäologie 
genanntep Wissenschaft, als Schlüsselbewahrerin sozusagen einer me- 
thodischen wissenschaftlichen Behandlung unserer gesammten monu- 
mentalen Ueberlieferung, hatte der allgemeinen Denkmälerkunde und 
blossen Interpretationsthätigkeit die frühere Vorherrschaft mehr und 
mehr beschnitten und erfreute sich neben jener nicht bloss einer 
gleich eifrigen, auch gleich werthen Pflege, nicht nur litterarisch, 
vielleicht mehr noch als Lehrgegenstand an Universitäten. Die ge- 
sammte Archäologie selber aber war inzwischen in eine neue Phase 
getreten, die Phase ihrer inneren Konsolidirung, ihrer Selbständig- 
keit als besondere Disciplin der Alterthumskunde, und diesen neuen 
Charakter hatte sie nicht unmittelbar aus sich heraus, als Denk- 
mälerkunde, sondern aufgeprägt erhalten durch die Kunstwissenschaft. 

Kein Zweifel, in erster Linie Brunn wird der bezeichnete Um- 
schwung verdankt, seinem epochemachenden Künstlerbuch, seinen 
zunächst sich anschliessenden Einzelforschungen. 

Brunn führte lange Zeit hindurch eine entschiedene Hegemonie 
in der Kunstwissenschaft Kein Wunder., Er hatte deren Neublüthe 
eingeleitet durch ein Werk, das weithin das Interesse wachrief, und 
andererseits hatte ihn gleichzeitig ein günstiges Geschick an seinen 
Platz gestellt, wo er für seine Anschauungen persönlich die weiteste 
Propaganda machen konnte. 

Aber wir wollen darüber nicht vergessen, das zum Siege der 
Richtung, nachdem sie einmal eingeschlagen, eifrig und erfolgreich 
Andere beigetragen haben. Wir verzichten auf eine namentliche 



31 

Aufführung, so sehr sie sie verdient hätten. Nur einen nicht zu 
nennen, fällt mir schwer, nicht Brunnianer, aber brunnianisch, 
K. Friederichs, neben Brunn wohl der tüchtigste Kämpe für eine 
eigentliche antike Kunstwissenschaft. 



Andere Gelehrte, die kurz vor und neben Brunn als Archäo- 
logen thätig waren, wie K. 0. Müller, F. G. Welcker, Fr. Thiersch, 
E. Gerhard, 0. Jahn, E. Curtius, haben das Alterthura nach mehr 
Richtungen durchforscht als Brunn, mehr aus dem Zusammenhang 
des Ganzen der Alt^rthumskunde heraus ihre archäologischen Auf- 
gaben behandelt. 

Brunn selber wollte nur Archäologe sein, und das kaum in dem 
weiteren Gebrauch des Wortes, sondern in dem engeren des Kunst- 
archäologen. So kultivirte er auch die der Archäologie so benach- 
barten Gebiete nicht, wie Inschriftenkunde, Geographie und Topo- 
graphie, Mythologie, Privat- und Sacralalterthümer. Er erhoffte 
vielmehr ein gesundes und lebhaftes Wachsthum seiner Disciplin 
nicht von einem Betrieb in der Breite, sondern nach der Tiefe, und 
in der Betonung mehr ihres Gegensatzes zu den Fächern sprachlicher 
oder philologischer Natur als ihres Zusammenhangs. 

In der That, nur der Concentrirung, der Beschränkung auf 
sein besonderes Fach, verdankte er seine Errungenschaften, nur so 
vermochte er dasselbe zu jener Selbständigkeit und Eigengeltung 
zu erheben, von der die Rede war. Ausser ihm war meines Wissens 
von seinen engeren Zeitgenossen nur noch Joh. Overbeck ein so 
ausgesprochener Spezialist unter den Universitätsarchäologen. 

Dieser Thatsache gegenüber ist es jedoch Pflicht des Redenden, 
scharf zu betonen, dass es Brunn völlig fern lag, den Zusammen- 
hang zwischen Archäologie und Philologie in der Praxis lockern zu 
wollen oder die Nothwendigkeit einer tüchtigen philologischen Aus- 
bildung für den Archäologen zu verkennen. Nur Unverstand oder 
neidisches UebelwoUen konnten ihn in den Geruch einer prinzipiellen 
Gegnerschaft zur Philologie bringen. 



32 

Er selber war aus der Philologie hervorgegangen, hat später 
noch, als er schon der spezielle Kunsthistoriker war, als den wir 
ihn rühmen, die spezifisch philologische Untersuchung über die 
Quellenregister des Plinius veröffentlicht, die philostratischen Gemälde- 
beschreibungen auch nach ihrer litterarischen Seite mit Geschick ver- 
fochten; und noch die Studie über Cornelius Nepos als Pliniusquelle 
(1875) gibt seinem Geschmack auch für sprachlich stilistische Dinge 
ein schönes Zeugniss. Noch als Greis anerkannnte er die Richtig- 
keit des Ritschrschen Diktums, das er in der Vorrede seiner Doktor- 
dissertation anführt: sine philologiae lumine caecutire archaeologiam. 

So ist es wohl verständlich, dass es den sonst so ruhigen Mann 
in Eifer bringen konnte, wenn er den Vorwurf hörte, er entführe 
seine Schüler der Philologie, mache sie ihr abspenstig. 

Wohl bevorzugte er junge Leute, in denen ein Fonds künst- 
lerischen Wesens sich zeigte, aber er unterliess auch nicht, gerade 
die, welche nicht eigentliche Philologen waren, immer und immer 
wieder darauf aufmerksam zu machen, wie ihre Studien der philo- 
logischen Basis nicht entrathen könnten, und beklagte es gelegent- 
lich, dass ihm selber über der Natur seiner Arbeiten das philologische 
Handwerk im Verlaufe der Zeit allmählich fremd geworden sei. 

Die Nothwendigkeit des Zusammenhangs seiner Disciplin auch 
mit der Sprachphilologie zu leugnen, kam ihm nie in den Sinn. 

Es war ihm selbstverständlich, dass „nur in der Durchdringung 
der verschiedenen Disciplinen der Alterthumswissenschaft sich der 
griechische Geist in seiner höheren Einheit" erfassen Hesse, und 
auch die antike Kunst gleich anderen Geistesäusserungen nur im 
Lichte der gesammten Alterthumswissenschaft voll und getreu sich 
erfassen lasse (Arch. u. Anschauung S. 7). 

Unter voller Anerkennung der Gleichberechtigung der einzelnen 
Disciplinen hielt er es eben doch auch schon für ein Werk, die 
Erkenntniss auch nur einer wichtigen Seite des antiken Lebens 
wesentlich gehoben zu haben. Denn eine gleichmässige und gleich- 
werthe Thätigkeit zu entwickeln auf den verschiedenen Gebieten 



33 

des von Tag zu Tag sich erweiternden Umfangs der Alterthums- 
wissenscbaft ist schlechterdings unmöglich. 

Wiederholt hat er diesen seinen Anschauungen auch schrift- 
lichen Ausdruck gegeben, allerdings nie, ohne andererseits immer 
die Grenzen zu betonen und Uebertreibungen des Werthes der 
engeren oder Sprachphilologie für die Kunstforschung als unberech- 
tigte Uebergriffe zurückzuweisen. 

Ein Vor- nnd Nebenstudium sollte sie sein zur Kenntniss des 
allgemeinen Hintergrunds der bildenden Künste im Alterthum, ihres 
Zusammenhangs, ihres entgegengesetzten oder auch parallelen Gangs 
mit anderen Künsten, und zur Befähigung einer ständigen kritischen 
Behandlung des ganzen litterarischen Quellenmaterials. 

Und mögen uns nie solche Geister fehlen, die mit der Kunst- 
archäologie auch die Gebiete der übrigen Realalterthumskunde, 
Epigraphik, Geographie und Topographie, der Religion und des 
Mythus, die ausser der Geschichte der bildenden Kunst auch jene der 
Litteratur forscherisch beherrschen. 

Aber es würde uns gewiss wieder den Niedergang dieser ein- 
zelnen Disciplinen bringen, wollten wir die zusammenfassende Be- 
herrschung dieser oder noch mehrerer Disciplinen als Forderung 
für den Unterricht an Universitäten stellen. 

Man kann bei dem lebhaften Betrieb der Kunstwissenschaft, 
wie er heute im Gange, nur wünschen, dass antiquarische Studien 
nicht geringer angesehen werden als kunstarchäologische. 

Wohl manche junge Kraft ist unter dem Einflüsse der Kunst- 
archäologie der Archäologie im weiteren Sinne schon ungetreu 
geworden. Die Vernachlässigung der einfachen Denkmälerkunde 
wäre namentlich auch im Hinblick auf die Mittelschulen zu beklagen, 
wo die einfache bildliche Illustration der verschiedensten Objekte 
und Vorstellungen aus dem antiken Leben nicht weniger wichtig ist 
als die Geschmacksbildung durch künstlerische Vorlagen. 



34 

Der Einfluss, den Brunn auf Gang und Entwicklung seiner 
Wissenschaft gewann, würde übrigens nach seiner litterarischen 
Thätigkeit allein unterschätzt werden; eindringlicher und umfassen- 
der wirkte er gewiss als Lehrer. Die Verdienste manches Professors 
beschliessen sich in Entdeckungen und Veröffentlichungen, Brunn 
erzog, bildete sich, ein selten glücklicher Führer, noch sein gewisser- 
massen eigenes wissenschaftliches Geschlecht. Wir wissen, schon als 
blutjunger „Kapitoliner" versuchte er sich als Periegete. Voller 
konnte er dann seiner Freude am Unterricht genügen als Instituts- 
sekretär, namentlich während des letzten Abschnitts seiner Amtszeit. 
Männer, die heute selber schon lange zu den Leuchten der Archäologie 
zählen, haben damals die Art seines kunstwissenschaftlichen Denkens 
auf sich einwirken lassen und die Erspriesslichkeit seiner Winke 
schätzen gelernt. In München schliesslich hat er „Schule" im engeren 
Sinne des Wortes gemacht, und auch von diesen eigentlichen Brunn- 
schülern wirkt gegenwärtig eine nicht geringe Zahl an Universitäten, 
technischen und Kunstschulen, Museen, nicht nur in Deutschland, 
auch im Auslande, und eine noch grössere Zahl befruchtet mit den 
bei Brunn empfangenen Anregungen den Gymnasialunterricht, was 
besonders für Bayern gilt, wo auf sein und seines um die Hebung 
unserer Mittelschulen so verdienten CoUegen von Christ Betreiben 
die Regierung schon in den siebziger Jahren die heilsame Be- 
stimmung traf, dass Lehramtskandidaten der klassischen Philologie 
in ihrer Staatsprüfung auch den Nachweis archäologischer Kenntnisse 
zu erbringen haben. 

Brunn war kein Redetalent, aber ein Lehrtalent erster Ord- 
nung. Die Gabe eines freien und fliessenden Vortrags war ihm 
versagt; auch wohl vorbereitet, sprach er häufig stockend und 
nach dem entsprechenden Ausdruck ringend. Aber was ihm an 
rednerischer Gewandtheit gebrach, das ersetzte er reichlich durch 
die ErfüUtheit und Ueberzeugung, die aus seinen Worten sprach, 
die Sachlichkeit und das Methodische seines etwas holperigen und 
ungleichmässigen Vortrags. Wie in seinen Schriften, ging er auch 



35 

in seiner mündlichen Lehre immer streng systematisch zu Werke, 
Beobachtungen feststellend, Folgerungen anreihend, eine festge- 
schlossene Gedankenkette bildend, ohne Sprung und auch ohne seinen 
Zuhörern, wie man sagt, etwas zu „schenken", bis ihm ein Gesammt- 
ergebniss gesichert schien. Waren so seine Vorlesungen*) in hohem Grade 
instruktiv, so fesselte diese streng didaktische, einfache Weise auf die 
Dauer allerdings nur, wer ernstlich unterrichtet sein wollte; wer mehr 
nur angeregt oder gar unterhalten, vergass leicht das Wiederkommen. 
Der ihm zusagendste Lehrplatz war übrigens nicht der Katheder, 
sondern das Museum. Hier vor den Monumenten selber, wo Wort 
und Demonstration in einander gingen, der Rede äussere Form 
weniger bedeutet, gab er sich am vollsten aus, oflfenbarte er sich 
ganz als den Meister, der, unter den Denkmälern gross geworden, 
künstlerisch und antik zu empfinden gelernt hatte, und gewann er 
sich Getreue auch aus weiteren als philologischen Kreisen. 

Brunn legte viel Gewicht darauf, engere Schüler zu haben. 
Auf jegliche Weise suchte er sie zu ketten und vorwärts zu bringen, 
Rath ertheilend, helfend, warnend, doch nie deren Eigenart bedrängend, 
wie in der That Leute der verschiedensten Richtungen sich stolz 
und treu als seine Schüler bekannten; und dass er gegebenen Falles 
auch der Sorge um das äussere Fortkommen derselben sich nicht 
entschlug, hat mancher in dankbarer Erinnerung, dem seine wohl- 
wollende Empfehlung oder praktische Weisung die Anfangsstrecke 
der Laufbahn ebnete. Seine Schüler waren ihm seine weitere Fa- 
milie, die er auch in freier Geselligkeit gerne um sich sah. Diens- 



*) Der Kreis seiner Vorlesungen umfasste: Griechische Kunstgeschichte; 
Geschichte der altitalischen und römischen Kunst; Erklärung der Monumente des 
troischen Cyklus, zugleich als praktische Methodologie archäologischer Inter- 
pretation ; griechische Kunstmythologie. Einmal, Wintersemester 1877/78, las 
er im Anschluss an griechische Kunstgeschichte auch ȟber die antiken Schrift- 
quellen der Kunstgeschichte". 

Neben den Vorlesungen hielt Brunn regelmässig noch ,Uebungen*, theils 
auf Grund schriftlicher Referate der Theilnehmer, theils in den Sammlungen 
vor den Objekten selber. 



36 

tags abends stand jedem sein Haus offen, wo bei Cigarren und Bier 
in ungezwungener Plauderei mancher das Thema fand, das er später 
zu bearbeiten unternahm, mancher auch Freunde für das Leben; 
und wie er zu Rom nach den Institutssitzungen an der Spitze der 
„Kapitoliner" die Palombella aufzusuchen liebte, um bei süssem 
Orvieto die Sitzungen heiter ausklingen zu lassen, so sah man ihn 
in München Sommers nicht selten mit seinen Anhängern einem 
luftigen Keller entgegensteuern. 



Der richtige Lehrer wird geboren; Erfahrung und Bemühen 
können ihn verbessern, aber nicht erzeugen; denn Lehrer ist der 
ganze Mensch. Und schon darum dürfte es am Platze sein, auch 
die rein menschlichen Eigenschaften Brunns noch mit einigen be- 
sonderen Worten zu bedenken. 

Natürliche Einfachheit, Güte und Vornehmheit der Gesinnung 
waren die hervortretendsten Eigenschaften des Mannes. Nie hat er 
seine Meinung gefälscht, nie zur „Pose" sich herabgelassen. Arglos 
und vertrauend kam er seinen Mitmenschen entgegen; die Reinheit 
und Liebenswürdigkeit seiner Seele leuchteten ihm aus den Augen 
und gewannen ihm rasch die Zuneigung anderer Reingesinnter. Oft 
hintergangen und enttäuscht blieb er, nachdem er den Schmerz 
hinuntergerungen, derselbe unverwüstliche Optimist, der die Menschen 
nahm, wie sie sich gaben. In wissenschaftlicher Fehde nur die 
Wahrheit suchend, nicht den Scheinsieg in Worten und jedem das 
Seine zugestehend, verträglich und offen auch in seinem kollegialen 
Leben, gegen Untergebene die Menschenfreundlichkeit selber, hatte 
er wohl Gegner, doch keine Hasser.^) 

Aber bei aller Güte und Milde war Brunn doch eine feste und 
kraftvolle Natur, nicht unruhig, noch stürmisch, aber zäh und un- 
ablässig, consequent und sich selbst getreu in Allem, seinen Plänen, 

^) Cornel. Nep., Atticus c. 15.: Difficile erat intellectu, utram eum magis vererentur 
an amarent. 



37 

Anschauungen, Gepflogenheiten, Zu- und Abneigungen, ein vir con- 
stans, wie er vollkommener nicht gedacht werden kann. 

Er hörte und las sich gerne anerkannt — wer auch nicht? — , 
hatte ein starkes Gefühl seines menschlichen und wissenschaftlichen 
Werthes, besass wohl auch den Ehrgeiz, immer unter den Ersten zu 
sein seines Faches, aber von nichts war er dabei weiter entfernt 
als von Eitelkeit und Ansprüchen äusserer Observanz. Anspruchs- 
volles Auftreten kannte er so wenig, dass man eher sagen muss: 
er ist von einer gewissen naiven Befangenheit und äusseren Zurück- 
haltung seiner Person auch hochbejahrt nicht frei geworden. 

Auf Freundschaft hielt er grosse Stücke, und engere Fühlung 
zu haben mit Gleich strebenden war ihm Bedürfniss. Mit vielen 
seiner Fachgenossen und wissenschaftlichen Freunde, jüngeren wie 
älteren, stand er im brieflichen Verkehr. Kam man nach München, 
so war man ihm stets willkommen, und stellten sich etwa gleich- 
zeitig mehrere ein, so war es ihm ein Fest, wenn er mit diesen 
und was von Münchner Collegen und Freunden aufzubringen war 
einen Abend in gemüthlichem Gedankenaustausch zusammensitzen 
konnte. Auch in Berlin, wenn er den österlichen Sitzungen der 
Centraldirektion beiwohnte, fand er sich nicht behaglich, so lange 
er nicht auch dort sein abendliches Conventikel um sich hatte. — 
Dass ein solcher die festen Tage der allerdings wenigen Gesellschaften, 
denen er als Mitglied angehörte, wie der „Aula", der „Zwangslosen", 
sozusagen heilig hielt, versteht sich fast von selbst. Er war aber 
nichts weniger als ein sogenannter Gesellschafter. Wie häufig bei 
künstlerischen Naturen der Fall, verhielt er sich gewöhnlich lange 
wortkarg und ziemlich passiv, doch, einmal warm geworden, brachte 
er, oft fein humoristisch, Mittheilungen und ürtheile hervor, deren 
sich ein Fremder von dem kurz zuvor noch so ausgiebig Schweig- 
samen kaum versehen hätte. 

Weiter ist ein charakteristischer Zug in dem Wesen Brunns 
seine Freude an der Natur, sein intimes Empfinden für dieselbe. 
Während seiner Münchner Periode benützte er so ziemlich jede 



38 

Sommerferienzeit, dieses und jenes Alpenthal zu durchwandern, oder 
aber mit den Seinigen in irgend einem Gebirgsorte sich länger 
niederzulassen; schon ein Sechziger wollte er, steigend, Bild für Bild 
gewinnend, auch die Gletscherregion noch kennen lernen; kurz vor 
seinem Tode schleppte er sich noch einmal gegen den Schönblick 
des Spitzingsattels über Josephsthal. Und tiefinnerlich, nicht erborgt 
oder anempfunden war diese Freude; die Natur redete ihm, redete 
ihm von dem gleichen unerschöpflichen Thema, das er im Kleinen 
in der Geschichte und den Bemühungen der menschlichen Kunst 
verfolgte. 

Am politischen Leben hat Brunn meines Wissens nie hervor- 
tretend aktiven Antheil genommen. Zwar 1866 wollte man ihm, 
wenn ich mich recht erinnere, wie anderen „Preussen" die Fenster 
einwerfen, aber wäre er auch nicht zufällig geborener Anhaltiner ge- 
wesen, Brunn hätte es wahrlich um nichts verdient. Deutsch durch 
und durch, und die politische Grösse und Selbständigkeit seiner Nation 
ersehnend, war er einem strafferen Centralismus keineswegs zugethan, 
nicht in politischer Hinsicht, noch weniger in geistiger oder wissen- 
schaftlicher. Die Wissenschaft galt ihm ein völlig gemeinsames, 
internationales Gut. Confessionelle Streitigkeiten berührten ihn noch 
peinlicher als politisches Parteigetriebe. Er war, wie sein Vater, 
ein Mann des Friedens und der Duldsamkeit. 



Wie oft stehen in der Menschenwelt äussere Erscheinung und 
inneres Wesen in Disharmonie! Bei Brunn war die äussere Persön- 
lichkeit der inneren würdig: eine hohe, wohlgebaute Gestalt, mit 
grossem Haupt auf breiten Schultern, elastisch in Haltung und Be- 
wegung, das Gesicht gross und ziemlich regelmässig gezeichnet, 
nicht schroff und hart, sondern eher sanft und nur hier und dort 
charakteristisch geschwungen. So machte der Kopf auch im Greisen- 
alter noch einen schönen und bedeutenden Eindruck, der ins Malerische 
gehoben wurde durch das wallende Haar. In früheren Jahren dicht 



39 

und kurzwellig, im Alter länglicher sich ziehend und zuletzt silber- 
grau, ist es ihm immer bis auf die Schulter geflossen. Lippen und 
Kinn umsprosste ein leichter, flockiger Bart. Der helle und ruhige 
Blick, der Mund, der — wenn er nicht „rauchte" — immer 
ein Empfundenes sagen zu wollen schien, gaben dem Kopf ein 
mildes Leben. Ruemanns Marmorbüste stellt den Verewigten im 
Alter von nahezu 71 Jahren dar, als er schon litt und die Erkennt- 
niss dessen seine Stimmung niederdrückte. Davon ist auch das 
Bildniss nicht frei geblieben; es trägt einen herberen Ausdruck als 
er früher Brunn eigen war, zeigt mehr die austeritas, welcher er 
fähig, als die jucunditas, die ihm habituell war.* 

^Erhaltene Bildnisse: Den Studenten Brunn, eine fast mädchenhafte 
Schönheit, in dichtestem, gewelltem Haarschmuck und mit Pekesche angethan, gibt 
eine Zeichnung vom Jahre 1841, gemacht von Hohneck, wieder, die bei Gelegenheit 
des Doktorjubiläums mehrfach reproduzirt worden ist, u. a. in den Akademischen 
Monatsheften 1893, 108. — Aus dem Jahre 1853 stammt ein treffliches Oelbild im 
Besitz der Brunn'schen Familie, gemalt zu Rom von Eduard von Engerth. — 
Auf eine Bleistiftzeichnung ungefähr derselben Zeit, ausgeführt von Kestner, die 
sich in dem Kestner-Museum zu Hannover befindet, hat Herr Dr. Paul Ziegert 
aufmerksam zu machen die Güte gehabt. — Unter den Bildnissen der Münchner 
Zeit ist eine Radirung von W. Krauskopf, aus den achtziger Jahren, Familien- 
besitz. Auch eine recht gute photographische Aufnahme existirt, von der jetzt 
ein Abdruck den , kleinen Schriften** beigegeben ist. — Von der Marmorbüste 
Ruemanns war oben die Rede. — Im Sitzungssaale der philos.-philol. Classe der 
Akademie hängt das von Adelheid Furtwängler geb. Wendt nach dem Tode 
gemalte Porträt. Das Reliefbildniss der griechischen Stele, die das Grab des 
Verewigten bezeichnet, hat Erwin Kurz gearbeitet, ein Schüler Adolf Hildebrands. 



40 



Ich vertraue, das Bild, das ich hiermit von dem Leben, Wirken 
und der Persönlichkeit Brunns entworfen habe, Züge, Vielen in 
dieser Festversammlung wohl bekannt, heute nur aus meinen Augen 
heraus gezeichnet, werde hinter meinem Wollen nicht so weit 
zurückstehen, dass nicht Allen die Berechtigung des Wortes ein- 
leuchtete, mit dem ich anhob: in Brunn ist ein allseits herrlicher 
Mann aus unserer Mitte geschieden. Er war ein Bahnbrecher seiner 
Wissenschaft, ein Lehrer sondergleichen, ein Mensch echt und tüchtig 
in Allem, was er that und sann. Aber das ist bei dem schweren 
Verluste, den die Wissenschaft, die Akademie, deren schönsten Zierden 
er sich angereiht hat, die Freunde und Verehrer durch seinen 
Heimgang erlitten haben, auch wieder unsere Zuversicht: Nur die 
Hülle Brunns ist dem Staub verfallen, sein Werk und Muster werden 
bleiben. Denn „das Echte bleibt der Nachwelt unverloren". 



41 



A-ühang. 



Verzeichniss der Schriften Brunns. 



1843. 
Artificum liberae Graeciae tempora. Bonn 1843. 

1844: 
Ann. d. Inst.: Sarcofago rappresentante ceremonie nuziali. — SuU' opera 
di Raoul-Rochette: Lettre ä M. Schorn. 

Stuttg. Kunstblatt: Das Museum des Lateran. 

1845. 

Bull. d. Inst.: Sulla Revue archeologique. — Sulla Gazetta archeologica 

del Gerhard. 

1846. 

Ann. d. Inst.: Vaso rappresentante Pelope e Mirtilo. — Sarcofago etrusco 

scoperto a Perugia. 

Bull. d. Inst.: Sopra una testa di Giunone del R. Museo Borbonico di 
Napoli (cf. Ann. d. Inst. 1864; aufgenommen in , Griechische Qötterideale*, 1893). 

Rhein. Mus. N. F. IV (1846): Der Satyr des Kallistratos. — Proserpinas 
Rückkehr. 

Stuttg. Kunstblatt: Rezension von Abeken, Mittelitalien. 

Jenaer allgem. Litteraturzeitung: Anzeige v. Campana, Antiche opere in 
plastica II. 

Monatsblätter zur Ergänzung der Allgemeinen Zeitung: Eduard Gerhards 
archäologische Publikationen. 

Jahrbücher für wissenschaftl. Kritik (1845 u. 1846): Rezension v. Avellino: 
BuUett. arch. napolitano I — III. — Zahn: Archäol. Aufsätze. — Wieseler: Ära 
Casali. — Raoul-Rochette: Choix de peintures de Pompei. — Avellino, descrizione 
di una casa di Pompei. 

6 



42 

1847. 
Stuttg. Kunstblatt: Rezension von Aloe: Le pitture dello Zingaro. — 
Melozzo von Forli. 

Rhein. Mus. N. F. V (1847): Ueber den Parallelismus in der Komposition 

altgriechischer Kunstwerke. 

1848. 

Ann. d. Inst.: Giunone Lucina. 

Stuttg. Kunstblatt: Rezensionen von Marchi^s Katakomben, Canina^s und 

Zestermanns Basiliken. 

1849. 

Ann. d. Inst : Annona. — Artemis Eupraxia. — I monumenti degli Aterii. 

Bull. d. Inst: Ippolito. — Supposto Cadmo. — La nascita di Venere 
sulla base del Giove Fidiaco. — Stagioni. — Sarcofago ostiense. — Scavi di Roma. 

1850. 

Ann. d. Inst.: Base triangolare di candelabro. — Vaso ruvese con rappre- 

sentanze di Pelope e Licurgo. 

1851. 

Ann. d. Inst.: Trono d' Apolline e candelabro di bronzo. — Sul trono 

del Giove di Fidia in Olimpia. — Intorno ad un disco di marmo del Museo 

Campana. — Intorno ad un disco di marmo posseduto dal sig. F. Lanci. — Sul 

frontone del tempio di Giove Capitolino. 

Bull. d. Inst.: Sopra Minervini: Monumenti antichi posseduti da Barone. 
— Sepolcro scoperto tra Albano ad Aricia. — Iscrizione di artisti tebani. 

1852. 

Ann. d. Inst.: Tempio creduto di M. Aurelio rappresentato in un basso- 

rilievo esistente in villa Medici. 

Bull. d. Inst.: Vasi ruvesi. 

1853. 

Geschichte der griechischen Künstler, Bd. I, Stuttgart 1853. 

Bull. d. Inst.: Intorno ad alcune rappresentanze della Sfinge. — Notizie 
intorno alle collezioni di antichita de^ sigg- Amati a Potenza, e Fittipaldi ad 
Anzi di Basilicata. 

Rhein. Mu?. N. F. V^III (1853): Ueber das Imperfektum auf den Inschriften 

griechischer Künstler. 

1856. 

De auctorum indicibus Plinianis disputatio isagogica, Bonn 1856. (Programm). 

Rhein. Mus. N. F. X (1856): Ueber die Grundverschiedenheit im Bildungs- 
prinzip der griechischen und ägyptischen Kunst. 



43 

Ann. d. Inst.: Monumenti diversi: statua della Pieta; statua del dio Pane; 
due mense; leoncino. 

Jahrbücher des Vereins d. Alterthumsfr. im Rheinl. XXIII: Der Stein- 
schneider Herophilos. — Der Tod der Lucretia. 

1857. 

Ann. d. Inst.: Ippolito e Fedra. — II sagrifizio d' Ifigenia. — Sculture 
africane. — Ratto di donna. 

Bull. d. Inst.: Discorso letto neir adunanza del 27 Febbrajo. — Scavi 
di Bolsena. — Scavi d' Anzio e di Frascati. — Sopra: Notizia dei vasi dipinti 
rinvenuti a Cuma nel 1856 e posseduti da S. A. K. il conte di Siracusa. 

Rhein. Mus. N. F. XI (1857): Rezension von Friederichs: Praxiteles und 

die Niobegruppe. 

1858. 

Ann. d. Inst.: Ira di Achille. — II Marsia di Mirone. — Tre specchi. 

Bull. d. Inst.: Rovine di Erendi sull' isola di Malta. — Base a foggia 

di clava d'Ercole. — Sopra Laborde: Athenes au XV, XVI et XVII siecles. — 

Scavi di Roma. — Sopra Ussing: Griechische Reisen und Studien. — Viaggi 

in Etruria: I. Vasi perugini. IL Scoperte volsiniensi del sig. conte Ravizza 

d' Orvieto. 

1859. 

Geschichte der griechischen Künstler, Bd. II, Stuttgart 1859. 

Ann. d. Inst.: Anacreonte. — Pitture etrusche. — Bassorilievo con 
rappresentanze delle Sirene. — Scavi di Muro. 

Bull. d. Inst.: Viaggi in Etruria: III. Collezione Lunghini a Sarteano. — 

IV. Vasi e specchi chiusini. — V. Vasi vulcenti e tarquiniensi; vasi di fabbriche 

provinciali. — VI — VII. Urne perugine. — Acclamazione usata nel giuoco del 

cottabo. — Antichitä d' Atene. — Sopra Ternite: Wandgemälde aus Pompeji 

und Herculanum. 

1860. 

Ann. d. Inst.: Scoperte tarquiniensi. — Secchia di bronzo esistente nella 
Galleria Doria. 

Bull. d. Inst.: Viaggi in Etruria: VIII. Sarcofaghi e sculture tarquiniensi. 
— Antichitä d' Atene. — Vaso e scarabeo etrusco. 

1861. 

Ann. d. Inst.: Giunta all' articolo di Conze su Oreste ed Elettra. — Due 
monumenti etruschi. — Due figure etrusche. — Testa di Giuba II. 

Jahrbücher f. klass. Philologie, Suppl.-Bd. IV: Die philostratischen Ge- 
mälde gegen K. Friederichs vertheidigt. 



44 

1862. 
Ann. d. Inst.: Cista prenestina del Museo Napoleone III. — Terracotte 
etrusche. — Lavori intagliati in osso. 

Bull. d. Inst. : Specchio vulcente. — Scoperta di antichitä nella via di 
S. Agata. — Specchio etrusco. — Scavi di Volterra. — Pitture vulcenti. 

1863. 
Ann. d. Inst.: Vulcano ed Ulisse (aufgenommen in: ^Griechische Götterideale *). 

Bull. d. Inst.: Scavi orvietani del sig. Golini. — Scavi di Prima Porta. — 
Scavi di Pompei. — Scarabeo etrusco. — Marchi di strigili. — Revisione del 
vaso Franfois. — Vasi di vetro con iscrizioni trovati in Sardegna. — Scavi del 
teatro di Gubbio. 

1864. 

Ann. d. Inst.: Busto di Giunone del Museo di Napoli (cf. Bull. d. Inst. 
1846). — Cista prenestina. — Bronzi diversi. 

Bull. d. Inst.: Uno specchio ed una tazza con iscrizioni. — Antichitä della 
Grecia. — Scavi deir acropoli di Atene. 

Symbola philologorum Bonnensium: Zur Texteskritik der philostratischen 
Gemälde. — Paulys Realencyklopädie der klass. Alterthumswissenschaft Bd. I, 
2. Aufl. (1864 — 1866): Artikel über Künstlergeschichte und Kunstmythologie. 

1865. 

Ann. d. Inst. : Due sarcofaghi vulcenti. 

Bull. d. Inst.: Vasi della coUezione Feoli. — Vasi ceretani del sig. Castellani. 
Memorie deir Inst. II: Dike ed Adikia. 

1866. 
Ann. d. Inst.: Suir antichissima arte italica, lettera ad Augusto Castellani. 
— Pitture etrusche. 

1867. 
Denkschrift über die Gründung eines Museums von Gipsabgüssen klassischer 
Bildwerke in München. (Als Manuskript gedruckt.) München 1867. 

Schriften der k. b. Akademie: Ueber die sog. Leukothea in der Glypto- 
thek Sr. M. König Ludwigs I. Festrede, gehalten am 25. Juli 1867. 

Sitzungsberichte der k. b. Akademie: Ueber das Alter der äginetischen 
Bildwerke. 

Bei H. Grimm: Ueber Künstler und Kunstwerke II, Berlin 1867: Die 
Komposition der Wandgemälde Raphaels im Vatikan. Ein Vortrag. 

Arch. Zeit.: Das Pferd Perkos. 



45 

1868. 
Beschreibung der Glyptothek König Ludwigs I. zu München. München 1868. 

Abhandlungen der k. b. Akademie: Die Kunst bei Homer und ihr Yer- 
hältniss zu den Anföngen der griechischen Kunstgeschichte. 

Sitzungsberichte der k. b. Akademie: Troische Miscellen. I u. II. — Ueber 
die Komposition der äginetischen Giebelgruppen. 

Ann. d. Inst.: Testa del Sonno (aufgenommen in „Griechische Götterideale'). 

Verhandlungen der Philologenversammlung zu Würzburg: Ueber den Apollo 
Belvedere. 

Arch. Zeit.: Zusätze und Berichtigungen z. Arch. Zeit. 1868. 

1869. 
Arch. Zeit.: Der knieende Jüngling der Galleria Giustiniani. 

1870. 

I rilievi delle urne etrusche pubblicati a nome delP Instituto di corrispon- 
denza archeologica. Vol. I: Ciclo troico. Roma 1870. 

Sitzungsberichte der k. b. Akademie: Ueber Stil und Zeit des Harpyien- 
monuments von Xanthos. 

Ann. d. Inst.: I doni di Attalo. 

1871. 

Abhandlungen der k. b. Akademie: Probleme in der Geschichte der Vasen- 
malerei. 

Sitzungsberichte der k. b. Akademie: Zur Chronologie der ältesten grie- 
chischen Künstler. 

Jahrbücher f. klass. Philologie 1871, Heft 1 u. 2: Zweite Vertheidigung 
der philostratischen Gemälde. 

Bull. d. Inst.: Ära pergamena. 

1872. 

Supplement zu den Studien über den Bilderkreis von Eleusis von Karl 
Strube, Leipzig 1872. 

Sitzungsberichte der Akademie: Archäologische Miscellen 1 — 4. (2. Zur 
Interpretation des Harpyienmonuments. — 3. Der Strangford'sche Jüngling.) 

Meyers Allgem. Künstlerlexikon Bd. I: Artikel über griechische Künstler 
(Ageladas, Agesandros, Agorakritos, Alkamenes). 

1874. 
Sitzungsberichte der Akademie: Die Bildwerke des Parthenon und des 
Theseion. 

Arch. Zeit.: Der Wiener ,Io"-Kopf. 



46 

Verhandlungen der Philologen Versammlung zu Innsbruck : Demeter von 
Knidos (aufgenommen in „Griechische Götterideale ^). 

1875. 
Sitzungsberichte der Akademie: Ueber zwei Triptolemosdarstellungen. — 
Cornelius Nepos und die Kunsturtheile des Plinius. — Die Onyxgefasse in Braun- 
schweig und Neapel. 

1876. 

Sitzungsberichte der Akademie: Paeonios und die nordgriechische Kunst. 
— Der Poseidonfries in der Glyptohek zu München. — Die Petersburger 
Poseidonvase. 

Arch. Zeit.: Archaischer Bronzekopf im Berliner Museum. — Kielholen. 

1877. 
Einleitung und Text zu Lau: Die griechischen Vasen, ihre Formen und 
Dekorationssysteme, Leipzig 1877. 

Kurzes Verzeichniss des Museums von Gipsabgössen klassischer Bildwerke 
in München. 

Sitzungsberichte der Akademie: Die Skulpturen von Olympia. 

1878. 
Sitzungsberichte der Akademie: Die Skulpturen von Olympia IL 

1879. 
Sitzungsberichte der Akademie: Die griechischen Bukoliker und die 
bildende Kunst. 

Ann. d. Inst.: Tipo statuario di atleta. 

Arch. Zeit.: Laokoon. 

1880. 

Sitzungsberichte der Akademie: Troische Miscellen III. — Zur griechischen 

Künstlergeschichte. 

Arch. Zeit.: ^YnoßißdCeo&ai. 

1881. 

Sitzungsberichte der Akademie: Exegetische Beiträge 1 — 5. 
Deutsche Rundschau, Bd. XXIX: Die Söhne in der Laokoongruppe. 

1882. 
Sitzungsberichte der Akademie: Studie über den Amazonenfries des Mausoleums. 
Ath. Mitth. d. arch. Inst. VII (1882): Marmorköpfchen aus Meligu. 
Deutsche Kundschau, Bd. XXXI: Der Hermes des Praxiteles. 

Mittheilungen der bayerischen numismatischen Gesellschaft: Die Gründung 
von Smyrna. — König Lykurgos. 



47 

1883. 
Sitzungsberichte der Akademie: Ueber den tektonischen Stil in griechischer 
Plastik und Malerei. 

Ath. Mitth. d. arch. Inst. VIII (1883): Nordgriechische Skulpturen. 

1884. 
Sitzungsberichte der Akademie: Ueber tektonischen Stil IL 

Jahrbuch der k. preuss. Kunstsammlungen V, Heft III: Ueber die knnst- 
geschichtliche Stellung der pergamenischen Gigantomachie. 

Verhandlungen der Philologenversammlung zu Dessau: Medusa (aufge- 
nommen in „Griechische Qötterideale*). — Ueber eine Marmorgruppe in Wöriitz. 

Jahrbücher f. klass. Philologie: Pausanias und seine Ankläger. 

1885. 
Archäologie und Anschauung, Rektoratsrede. München 1885. 

Westermanns Illustrirte Deutsche Monatshefte, Dezember: Die Personifikation 
des Meeres in griechischer Plastik (aufgenommen in «Griechische Götterideale*). 

Atti e Memorie della R. Deputazione di storia patria per la provincia di 
Romagna, Ser. III, vol. III, 1885: Intorno ad una testa di pietra trovata in Bologna. 

1886. 
Denkrede zur Erinnerung an das Gentenarium der Geburt König Ludwigs I. 
München 1886. 

Deutsche Rundschau, Bd. XLVII: Raphaels sixtinische Madonna. 

1887. 
Abhandlungen der k. b. Akademie: Ueber die Ausgrabungen der Certosa 
von Bologna. Zugleich als Fortsetzung der Probleme in der Geschichte der 
Vasenmalerei. 

Sitzungsberichte der Akademie: Troische Miscellen IV. 

1888. 
Denkmäler griechischer und römischer Skulptur in historischer Anordnung, 
unter Leitung von Heinr. Brunn herausgegeben von Fr. Bruckmann. München, 
Verlagsanstalt für Kunst und Wissenschaft 1888 ff. 

Sitzungsberichte der Akademie: Ueber Giebelgruppen. — Das litterarische 
Anhalt von Muschi und Wäschke: Zur Charakteristik des Praxiteles. 

1889. 
Geschichte der griechischen Künstler, 2. Aufl., 2 Bände. Stuttgart 1889. 

Sitzungsberichte der Akademie: Methodologisches. — Nekrologe (H. Bonitz, 
H. W. Heerwagen, C. J. Schlyter, Gudbrandur Vigfusson, H. Beckers). 



48 

1890. 
Sitzungsberichte der Akademie: Nekrologe (M. Amari, J. de Witte, 
L. V. Urlichs, Fr. Delitzsch). 

1891. 
Abhandlungen der Philologenversammlung zu München : Apollo Giustiniani 
(aufgenommen in .Griechische Götterideale*). 

Sitzungsberichte der Akademie: Nekrologe (H. Schliemann, F. X. v.Miklosich). 

1892. 
Sitzungsberichte der Akademie: Eine kunstgeschichtliche Studie (über den 
sog. Diomedes in der Münchner Glyptothek). — Nekrologe (Fr. Zarncke, 
W. J. Cron, A. R. Rangabis). 

1893. 
Griechische Götterideale. München 1893. 

Griechische Kunstgeschichte. Erstes Buch. München 1893. 



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